Unsere Omas und Opas singen und spielen in vielen Sprachen

Verantwortliche / Anbieter

Verband binationaler Familien und Partnerschaften e.V.
Projektleiter
Kurt W. Niemeyer
Charlottenstraße 5
30449 Hannover
Tel.: (05 11) 44 76 23
Fax: (05 11) 21 34 97 29
E-Mail: hannover@verband-binationaler.de
www.hannover.verband-binationaler.de

Kontaktmöglichkeit in Niedersachsen

s.o.

Zielsetzung

Ältere Migrantinnen und Migranten sollen durch Qualifizierung und Begleitung in Bildungseinrichtungen (Kindergärten, Kinder- und Familienzentren) eingebunden werden und sich über das Projekt hinaus im sozialen Bereich engagieren. Aus Ressourcen der Migrantinnen und Migranten (Lebenserfahrung, insbesondere eigene Migrationserfahrung, Sprachkenntnisse, Spielen eines Instrumentes) erlangen sie in muttersprachlichen Schulungen und mit fachlicher Begleitung Kompetenzen, die im Rahmen zusätzlicher Förderangebote in den Einrichtungen eingesetzt werden können.

Zielgruppe

Ältere Frauen und Männer mit Migrationshintergrund sowie Kitakinder im Alter von 2 bis 6 Jahren.

Inhalte und Methodik

Kindertageseinrichtungen sind Orte interkultureller Begegnung. Hier machen Familien erste Erfahrungen mit Bildungseinrichtungen. Für die Sprachentwicklung von mehrsprachig aufwachsenden Kindern ist es eine entscheidende Unterstützung, wenn die mitgebrachte Erstsprache und die Zweitsprache Deutsch als elementare Sprachsysteme von Anfang an gleichermaßen gefördert werden. Sprache und Sprachfähigkeit trägt dazu bei, sich für die eigene Gesundheit einzusetzen.
In diesem Projekt stehen zum einen die Förderung der mitgebrachten Familiensprachen und der Einsatz und die Fortbildung älterer Migrantinnen und Migranten im Mittelpunkt.
Die geplanten Sprachfördermaßnahmen sind ganzheitlich angelegt. Mit „Singen“ und „Spielen“, also mit Musik und Bewegung wird zum einen der kindliche Spracherwerbsprozess unterstützt. Durch die Durchführung des Angebotes in den Familiensprachen, durch den Einsatz kulturspezifischer Instrumente, Gedicht- und Liedtexte sowie Tanz- und Bewegungselemente wird nicht nur eine Wertschätzung der Familiensprachen sondern auch der kulturellen Werte und Traditionen ausgedrückt.
Folgende zentrale Elemente der kindlichen Sprachförderung werden im Projekt eingesetzt:

  • Hören und Musik Wahrnehmen schärft auch die sprachliche Wahrnehmung und Konzentration,
  • Erzeugen von Lauten und Klängen mit Stimme und Instrument fördert die Stimmbildung und Koordination von Stimme und Bewegung,
  • Grob- und feinmotorische Bewegung wird durch Instrumentenspiel und Tanz gefördert,
  • gemeinsames musikalisches Handeln regt nonverbale und verbale Interaktionsprozesse an und fördert soziales Handeln und Verstehen.

Anknüpfend an Musik und Bewegung können gut weitere sprachfördernde Methoden wie Geschichten erzählen oder Vorlesen eingebunden werden.
Die geplanten Angebote entlasten pädagogische Fachkräfte im Kindergarten. Das Projekt bringt Kinder, Eltern und Großeltern generationenübergreifend zusammen.Wir bieten dieses Projekt in den Sprachen russisch, polnisch, türkisch, kurdisch und arabisch an.

Rahmenbedingungen

In muttersprachlichen Schulungen und mit fachlicher Begleitung durch den Verband binationaler Familien und Partnerschaften e.V. erlangen MigrantInnen erforderliche Kompetenzen. Der Einsatz erfolgt im Rahmen zusätzlicher Förderangebote in den Einrichtungen in der Regel einmal in der Woche ca. 45 Minuten (in Gruppen von 3 bis 6 Kinder).

Schulungsangebot für Multiplikator*innen in Kita

Schulungen der VorleserInnen einmal im Jahr durch den Verband.

Evaluation

Zur Zeit sechs Einrichtungen in Hannover und der Region.
12 Menschen mit Migrationshintergrund sind als VorleserInnen aktiv.
Einsatz einmal in der Woche ca. 45 Minuten (in Gruppen von 3 bis 6 Kinder).

Erfahrungsberichte, Verbreitung

Die älteren MigrantInnen fühlten sich zum ersten Mal von der Gesellschaft in Deutschland gebraucht. Diese Wertschätzung betrachteten die Senioren als großen Gewinn. Auch die Zusammenarbeit mit unserem Verein und den Einrichtungen war für sie eine neue Erfahrung. Dieser Blick „von innen“ führte auch zu einer größeren Wertschätzung der deutschen Gesellschaft. Die MigrantInnen fühlten sich nicht als Leistungsempfänger, sondern als engagierte Mitgestalter. Nach Abschluss des Projektes werden die meisten der Senioren in ihren Einrichtungen weiter tätig sein. Dieses Projekt überzeugt also auch durch die Nachhaltigkeit. Durch den Kontakt der Senioren mit Kindern, Eltern und den Pädagogen in den Einrichtungen hat sich auch die deutsche Sprache bei ihnen verbessert. Am Anfang des Projektes hatten einige eine Scheu, öffentlich in Deutsch zu sprechen. Dies veränderte sich im Laufe des Projektes deutlich. Einige SprachpatInnen entdeckten durch das Projekt ihre sozialen Fähigkeiten und erkundigten sich aus eigenem Antrieb bei weiteren Einrichtungen, ob sie dort nicht als Ehrenamtliche gebraucht würden. Viele Kinder sprachen in den Einrichtungen so gut wie nie in ihren Muttersprachen, weil sie dachten, dass sie dies nicht dürften oder dass sie deswegen ausgegrenzt werden würden. Durch unser Projekt entdeckten die Kinder, dass für sie auch die mitgebrachte Sprache wichtig ist und zu ihnen gehört. Ihre Kenntnisse der Muttersprache haben sich durch das Projekt deutlich verbessert. Mit diesem neuem Selbstvertrauen wurde auch der Umgang mit der deutschen Sprache gefördert. Und nicht zuletzt erkannten viele Kinder, wie wichtig Bücher, wie toll Geschichten, Lieder und Spiele sein können, und wie schön der Umgang mit älteren Menschen sein kann. Zwischen Kindern und den SprachpatInnen entwickelten sich enge soziale Bindungen. Für die Kinder waren die Senioren ein echter Ersatz für die richtigen Omas und Opas. Die mitgebrachten Sprachen sowie die mitgebrachte Kultur der Kinder mit Migrationshintergrund wurden wertgeschätzt und als eine Bereicherung der Gesellschaft in Deutschland angesehen. Die Pädagogen teilten uns mit, wie wichtig die mitgebrachte Sprache besonders am Anfang der Kindergartenzeit für die Kinder sei. Den Kindern falle es in ihrer Muttersprache leichter, Wünsche, Gefühle und Bedürfnisse zu kommunizieren.

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Das Projekt wird von der Lotto-Sport-Stiftung und vom Integrationsbeirat Misburg / Anderten unterstützt.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Kita-Qualität: Gesundheit – Bildung – Entwicklung

QD 5: Bildung, Erziehung und Betreuung
QK 5.5: Lernbereiche und Erfahrungsfelder
QK 5.6: Angebote für Kinder mit besonderem Förderbedarf
QK 5.8: Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit den Eltern
QD 6: Wirkungen
QK 6.4: Auswirkungen auf Staat und Gesellschaft

Literatur / Quellen / Praxismaterialien