Kommunikation – Interaktion – Kooperation (KIK)

Verbesserung der sozialen Kompetenz von Lehrkräften

Verantwortliche / Anbieter

Universität Hildesheim / Institut für Psychologie
Prof. Dr. Claudia Mähler
Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim
Tel.: (0 51 21) 88 10 906
E-Mail: maehler@uni-hildesheim.de

Dr. Kirsten Schuchardt
E-Mail: schuchardt@uni-hildesheim.de

M. Sc. Psych. Anna Beuter
E-Mail: beutera@uni-hildesheim.de
www.uni-hildesheim.de

Zielsetzung

Das Ziel dieser Fortbildung ist eine Verbesserung der sozialen Kompetenz von Klassenlehrer*innen in den Bereichen Kommunikation, Interaktion und Kooperation.
Kommunikation bezieht sich auf die Verbesserung der Alltagsgespräche von Lehrkräften mit Schüler*innen, Eltern und Kolleg*innen.
Interaktion meint die konstruktive Gestaltung der sozialen Beziehungen der Schüler*innen untereinander und in der Lehrer-Schülerbeziehung.
Kooperation steht für die Verbesserung der Zusammenarbeit im Kollegium, mit Eltern und Elternvertretern und der Schülervertretung.

Zielgruppe

Klassenlehrer*innen aller Schulformen und Klassenstufen.

Inhalte und Methodik

Inhalte des Curriculums in der Schulpsychologischen Fortbildung für Klassenlehrkräfte sind:

  • Phasen der Gruppenentwicklung und konkrete Ideen, die Gruppenentwicklung gut zu gestalten,
  • Evaluation des Klassenklimas,
  • Umgang mit Konflikten, Mobbing,
  • Feedback geben und empfangen,
  • Kommunikation mit Schüler*innen, Eltern, Kolleg*innen, Schulleitung,
  • kooperative Lernformen,
  • Klassenrat,
  • Beratung und Gesprächsführung,
  • Zusammenarbeit mit Eltern,
  • Kollegiale Fallbesprechung bei Schwierigkeiten in der Klasse,
  • aktuelle Themen z.B. Inklusion, Migration.

Die Methodik von „Kommunikation – Interaktion– Kooperation“ (KIK) ist besonders praxisorientiert. Phasen der Theorie wechseln mit Phasen der Planung, eigenen Erprobungen im Unterrichtsalltag und Supervision in der Fortbildungsgruppe.
Umsetzungsinhalte in der Schule sind Maßnahmen zur Unterstützung des Gruppenprozesses, Unterrichtseinheit zum Umgang mit Konflikten, Feedbackeinsatz und Klassenrat zur Schülerbeteiligung sowie Einzelgespräche mit Schülern und Eltern.

Rahmenbedingungen

Die KIK-Fortbildung dauert 1 ½ Jahre. Es finden 21 Ganztagssitzungen und vier Zweitageskurse statt. In einer Regionalgruppe sind 10 bis 15 Lehrkräfte. Die Fortbildung beginnt ein halbes Jahr vor Übernahme einer neuen Klasse. Damit soll die Möglichkeit gegeben werden, wichtige Elemente zur Verbesserung des Klassenklimas gleich zu Beginn des Schuljahres praktisch einzusetzen.

Schulungsangebot für Multiplikator*innen in Schulen

Struktur der Fortbildung:
1. Halbjahr

  • Einführungskurs (3 Tage),
  • 7 Studienzirkelsitzungen,
  • Kompaktkurs (3 Tage),
  • Planung der Eingangsphase mit der neuen Klasse.

2. Halbjahr

  • 7 Studienzirkelsitzungen,
  • Kompaktkurs (3 Tage),
  • Durchführung der geplanten Eingangsphase mit der neuen Klasse und Reflexion der Erfahrungen im Studienzirkel.

3. Halbjahr

  • 7 Studienzirkelsitzungen,
  • Kompaktkurs (3 Tage),
  • Evtl. Durchführung weiterer Maßnahmen in der Klasse zur Verbesserung des sozialen Klimas und Bericht im Kollegium über theoretische Erkenntnisse und praktische Erfahrungen im Zusammenhang mit der Fortbildung.

Anforderungen während der Fortbildung:

  • Teilnahme an praktischen Übungen, Rollenspielen, Supervision und Erfahrungsaustausch,
  • Übernahme von Hausaufgaben (Erarbeitung eines Themas und Planung der Umsetzung in der eigenen Klasse),
  • Bereitschaft zur Erprobung von neuen Ideen im Unterricht und zur wechselseitigen Unterrichtshospitation,
  • Bereitschaft, Teile der erlernten und selbsterprobten Maßnahmen im Kollegium vorzustellen,
  • Teilnahme an Befragungen der wissenschaftlichen Begleitung.

Evaluation

Die KIK-Fortbildung wurde 2002 in einer Vorher-Nachher-Untersuchung in 100 KIK-Klassen mit über 2000 Schüler*innen evaluiert. Die KIK-Klassen zeigten gegenüber Kontrollklassen deutliche Verbesserungen im Lehrer-Schüler- und Schüler-Schüler-Verhältnis.
Diese Hinweise geben insgesamt Anlass zu der Schlussfolgerung, dass die Qualifizierung der Lehrkräfte und die durchgeführten Projekte in den Schulklassen zu nachweisbaren Effekten geführt haben. Die konsistentesten Auswirkungen sind dabei im Bereich des Lehrer-Schüler-Verhältnisses zu finden und in einer Verringerung der Konkurrenz unter den Schüler*innen. Nicht zu unterschätzen sind aber auch die positiven Folgen der KIK-Fortbildung für die Lehrkräfte selbst. Neben der damit aufgezeigten Möglichkeit, etwas gegen den starken negativen Klimatrend in unserem Schulwesen zu tun, zeigen die Ergebnisse der Begleituntersuchung allerdings auch, wie schwierig diese Anstrengung ist und dass auch das Konzept der Fortbildung weiter verbessert muss, um auch noch die besonders gefährdeten Schülergruppen zu erreichen.
Erfolgskriterien:

  • Zustimmung der Gesamtkonferenz,
  • Verpflichtung zur Behandlung des Themas im Rahmen der Schulentwicklung,
  • Verfügungsstunde für die Teilnehmer*innen.

Stolpersteine:

  • Zu wenig investierte Zeit,
  • mangelnde Kontinuität bei der Durchführung der Praxisprojekte,
  • fehlende Unterstützung im Kollegium.

Erfahrungsberichte, Verbreitung

KIK wird seit 1994 kontinuierlich in Niedersachen und Sachsen-Anhalt durchgeführt und jährlich angeboten. In Niedersachsen nahmen bisher insgesamt circa 600 Lehrkräfte an der Fortbildung teil, in Sachsen-Anhalt ca. 400.
Den Teilnehmer*innen werden Erfahrungsberichten  zur Verfügung gestellt, ein Austausch auf Kongressen zu KIK findet statt.

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Die Kosten für die Kompaktkurse und das Material trägt das Land; aus dem Schulbudget sind die Kosten für die Teilnahme an den Studienzirkelsitzungen (7 pro Halbjahr) zu tragen.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen

Das Angebot „Kommunikation – Interaktion – Kooperation“ unterstützt grundsätzlich Ergebnisse und Wirkungen (QB 1) der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ist damit förderlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages nach dem Niedersächsischen Schulgesetz. Es kann dazu beitragen, Schulqualität zu verbessern, insbesondere in den Qualitätsbereichen 2 bis 6.

QB 2: Lehren und Lernen
QM 2.2: Unterrichtsführung (Lernklima)
QB 3: Leitung und Organisation
QM 3.1: Leitungsverantwortung (Leitungsverhalten)
QM 3.3: Schulorganisation (Verwendung von Ressourcen)
QB 4: Ziele und Strategien der Schulentwicklung
QM 4.1: Schulprogramm (Leitbild)
QM 4.3: Berufliche Kompetenzen (Fort- und Weiterbildung, Gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen)
QB 5: Bildungsangebote und Anforderungen
QM 5.2: Schuleigenes Curriculum (Unterrichtsergänzende Angebote)
QB 6: Kooperation und Beteiligung
QM 6.1: Kooperation (Weitergabe von Expertise)
QM 6.3: Beteiligung (Schule als Lebensraum)

Erläuterungen:

  • Die Verbesserungen von Kommunikation und Interaktion schaffen ein positives Lernklima.
  • Schulleitung übernimmt Verantwortung im Sinne der Fürsorge für die Lehrkräfte. Finanzielle Ressourcen werden Qualität sichernd für die Arbeitsfähigkeit der Lehrkräfte verwendet.
  • Bei Berücksichtigung im Leitbild kann es eine zu dokumentierende Maßnahme des Schulprogramms darstellen.
  • Lehrerfortbildungen werden angeboten.
  • „Kollegiale Beratung“ stellt eine Maßnahme im Sinne gesundheitsfördernder Arbeitsbedingungen dar.
  • Kooperation im Kollegium entsteht durch wechselseitige Beratung.
  • Das Angebot unterstützt die Gestaltung eines gesundheitsfördernden Erfahrungs- und Lernraums durch die Beteiligten.

Literatur / Quellen / Praxismaterialien

  • Schweer, M. K. W. (2008): Lehrer-Schüler-Interaktion: Inhaltsfelder, Forschungsperspektiven und methodische Zugänge. VS Verlag. Wiesbaden
  • Grewe, N. (2005): Praxishandbuch Beratung in der Schule: Grundlagen, Aufgaben und Fallbeispiele. Luchterhand. München
  • Grewe, N. (2003): Aktive Gestaltung des Klassenklimas. Eine empirische Interventionsstudie. LIT Verlag. Münster
  • Grewe, N. (2002): Kommunikation-Interaktion-Kooperation in Schule und Unterricht. Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleituntersuchung. Universität Hildesheim.