Trainingsraum-Methode

Stärkung der Eigenverantwortung für Schüler*innen

Verantwortliche / Anbieter

Dr. Heidrun Bründel, Diplom-Psychologin
Erika Simon, Lehrerin
Ursulastr. 40
33335 Gütersloh
Tel. (0 52 41) 70 29 52
E-Mail: bruendel@t-online.de oder Erika.Simon@t-online.de
www.trainingsraum-methode.de

Zielsetzung

Schüler*innen lernen, dass sie über ihr Verhalten selbst entscheiden und deshalb auch selbst verantwortlich sind. Mit dieser Trainingsmethode sollen Schüler*innen mit Hilfe der Lehrkräfte lernen, sich für einen störungsfreien Unterricht verantwortlich zu fühlen. Lehrkräfte, Schüler*innen sollen lernen, aus dem Teufelskreis von Ärger, Ohnmachtgefühlen und Frustration auszusteigen und sich Bewältigungsfertigkeiten anzueignen, die ein stressfreies Unterrichten ermöglichen.

Zielgruppe

Schüler*innen aller Schulformen und aller Klassenstufen, Eltern, Lehrkräfte.

Inhalte und Methodik

Inhalte sind die Stärkung der Eigenverantwortung, Pflichten und Rechte von Schüler*innen und Lehrkräften sowie störungsfreier Unterricht.
Der Trainingsraum ist ein Raum mit ca. 10 bis 12 Einzeltischen. Eine Trainingsraumaufsicht begleitet die Schüler*innen und führt in einem abgetrennten Raum Gespräche mit der/dem  Schüler*in  über das Störungsverhalten.
Anschließend wird ein Plan für mögliche Lösungen erarbeitet.
Klare Regeln und klare Konsequenzen für Verstöße gegen diese Regeln sind die Grundlage der „Trainingsraum-Methode“. Bei Störungen des Unterrichts werden die Schüler*innen von ihren Lehrkräften aufgefordert, Fragen zu beantworten.

  1. Was tust du gerade?
  2. Gegen welche Regel verstößt du?
  3. Was geschieht, wenn du gegen die Regel verstößt?
  4. Wofür entscheidest du dich?
  5. Wenn du wieder störst, was passiert dann?

Die Schüler*innen sollen sich ihres Störverhaltens bewusst werden, die Regeln benennen, gegen die sie verstoßen haben und dann eine Entscheidung treffen. Sie können sich dafür entscheiden, im Klassenraum zu verbleiben oder aber gleich in den Trainingsraum zu gehen. Sie wissen, dass sie diese Entscheidungsfreiheit bei einer zweiten Störung nicht mehr haben.
Bei Verweigerung des Gespräches werden erneut die oben genannten Fragen gestellt. Sollte die/der Schüler*in immer noch nicht bereit sein mitzuarbeiten, wird sie bzw. er nach Hause geschickt/anderweitig beschäftigt und die Eltern zu einem Gespräch gebeten.
Elterngespräche sind ein wichtiger Bestandteil der Methode, sie unterstreichen das Ziel, die Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Schule zu festigen. Wenn ein/e Schüler*in  zum 6. Mal den Trainingsraum aufsucht, werden die Eltern zu einem Interventionsgespräch eingeladen. Ziel des Elterngespräches sind keine Sanktionsmaßnahmen, sondern das Herausfinden von Hilfsmaßnahmen, die die/der Schüler*in  benötigt. An Elterngesprächen nehmen die Trainingsraumlehrkraft und die/der Klassenlehrer*in, die Eltern und bei Bedarf auch die/der Schüler*in teil.

Rahmenbedingungen

Raumbedarf: Einen Trainingsraum mit 10 bis 12 Einzeltischen und eine mobile Wand zur Abtrennung einer Gesprächsecke.
Personalbedarf: ausgebildete Trainingsraumlehrkräfte.
Für die Implementierung des Programms sind folgende Schritte notwendig:
Interesse/Vorinformation, kollegiumsinterne Fortbildung, Entscheidung des Kollegiums, Entscheidung der Schulkonferenz, Auswahl der Trainingsraumlehrkräfte, Schaffung organisatorischer Voraussetzungen, Schulung der Trainingsraumlehrkräfte, Elterninformation, Schüler*inneninformation, Beginn mit den untersten Jahrgängen, Supervision intern oder extern der Trainingsraumlehrkräfte, allmähliche Fortführung mit der gesamten Schülerschaft, Evaluation.

Schulungsangebot für Multiplikator*innen in Schulen

Kollegiumsinterne Fortbildung:
Inhalt ist die Darstellung des Programms, (Information, Grundgedanke, Prozedere, Frageprozess). Voraussetzung für eine Implementierung des Programms ist ein deutlicher Wunsch des Kollegiums, andere pädagogische Maßnahmen und Reaktionen auf Unterrichtsstörungen zur Verfügung zu haben, und die Bereitschaft, sich auf kollegiumsinternen Konferenzen über neue Ideen und Vorgehensweisen informieren zu lassen. Sinn dieser Konferenz ist es, zu informieren und zu sensibilisieren. Die Entscheidung des Kollegiums über die Einführung des Programms kann dann in einer nachfolgenden Konferenz erfolgen.
Schulung der Trainingsraumlehrkräfte:
Um Unsicherheiten bei Gesprächen mit Schüler*innen zu vermeiden, sollten die Trainingsraumlehrkräfte von Schulpsycholog*innen oder auch internen oder externen Beratungslehrer*innen begleitet und unterstützt werden. Während dieser Trainingseinheiten werden die Lehrer*innen in kooperativer Gesprächsführung geschult und im Rollenspiel darin geübt, die Trainingsraumgespräche zu führen.
Umfang, Kosten: nach Bedarf und auf Anfrage bei
Dr. Heidrun Bründel
E-Mail: bruendel@t-online.de und
Erika Simon
E-Mail: Erika.Simon@t-online.de

Evaluation

Im Kreis Gütersloh fand eine Evaluation statt.
Verfügbar über Bründel, H./Simon, E. (2007): Die Trainingsraum-Methode. 2. erweiterte und aktualisierte Auflage. Beltz Verlag, Weinheim. S. 149-155.
Fazit:
Es kann von einem Erfolg gesprochen werden. Die Mehrheit der Lehrer*innen ist zufrieden, Unterrichtsstörungen werden geringer und die Mehrheit der Schüler*innen denkt im Trainingsraum über ihr Verhalten nach, hält sich an ihre Pläne, und zwar nicht nur, weil es die Lehrer so wollen, sondern weil sie es selbst möchten.
Erfolgskriterien:
Um erfolgreich zu sein, muss das Programm von allen Lehrer*innen so angewendet werden, wie es im Programm vorgesehen ist.
Stolpersteine:
Hinderlich ist die Einstellung, sich mit Hilfe des Programms der störenden Schüler „entledigen“ zu können. Es sollte unbedingt vermieden werden, es als „Rausschick-Programm“ zu benutzen.

Erfahrungsberichte, Verbreitung

Das ursprünglich aus den USA stammende Trainingsraum-Programm ist z. Zt. in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern an weit über 500 Schulen verbreitet.
Die „Trainingsraum-Methode“ stammt ursprünglich aus den USA, ist jedoch im Raum Gütersloh/Bielefeld für deutsche Schulen verändert, adaptiert, variiert, ergänzt, komplettiert und schulformübergreifend schon in vielen Schulen in NRW und anderen Bundesländern mit großem Erfolg implementiert worden. Das Trainingsraum-Programm ist z. Zt. in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern an weit über 500 Schulen verbreitet.

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Die Kosten für die Vor- und Darstellung des Programms, Hilfen und Unterstützung bei seiner Einführung sowie bei der Schulung und Ausbildung der Trainingsraumlehrer*innen und bei der Durchführung kollegiumsinterner Konferenzen etc. sind jeweils auf Anfrage und nach Bedarf bei den Ansprechpartnerinnen zu erfragen.
Dr. Heidrun Bründel
E-Mail: bruendel@t-online.de
Tel.: (0 52 41) 70 29 52 und
Erika Simon
E-Mail: Erika.Simon@t-online.de
Tel.: (0 52 41) 35 14 34

Bezüge zum Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen

Die „Trainingsraum-Methode“ unterstützt grundsätzlich Ergebnisse und Wirkungen (QB 1) der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ist damit förderlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages nach dem Niedersächsischen Schulgesetz. Es kann dazu beitragen, Schulqualität zu verbessern, insbesondere in den Qualitätsbereichen 2 bis 6.

QB 2: Lehren und Lernen
QM 2.2: Unterrichtsführung (Störungsprävention, Lernklima)
QB 3: Leitung und Organisation
QM 3.2: Mitverantwortung ( Pädagogische Verantwortung)
QM 3.3: Schulorganisation (Klassenbildung und Lehrereinsatz)
QB 4: Ziele und Strategien der Schulentwicklung
QM 4.1: Schulprogramm (Leitbild)
QM 4.3: Berufliche Kompetenzen (Fort- und Weiterbildung, Gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen)
QB 6: Kooperation und Beteiligung
QM 6.1: Kooperation im Kollegium (Absprachen und Vereinbarungen)

Erläuterungen:

  • Das Angebot zielt auf Konfliktfähigkeit als soziale Kompetenz ab. Der aktive Umgang mit Unterrichtsstörungen schaffen ein positives Lernklima und beugen Störungen vor (Erhöhung der Konzentrationsfähigkeit).
  • Die Lehrkräfte und das pädagogische Personal nehmen im Rahmen der „Trainingsraum-Methode“ ihre pädagogische Verantwortung zur aktiven Verbesserung des Bildungsprozesses wahr.
  • Die Schulleitung betreibt aktiv zielbezogene Qualitätsentwicklung mit der Organisation von Lehrereinsätzen.
  • Bei Berücksichtigung im Leitbild kann es eine zu dokumentierende Maßnahme des Schulprogramms darstellen.
  • Lehrerfortbildungen werden angeboten.
  • Die Förderung „prosozialem Schülerverhaltens“ stellt eine Maßnahme im Sinne gesundheitsfördernder Arbeitsbedingungen dar.
  • Absprachen im Umgang mit Unterrichtstörungen fördern die Kooperation im Kollegium.

Literatur / Quellen / Praxismaterialien

  • Bründel, H./Simon, E. (2007): Die Trainingsraum-Methode. 2. erweiterte und aktualisierte Auflage. Beltz Verlag. Weinheim,
  • Bründel, H./Simon, E. (2007): Erfahrung mit der Trainingsraum-Methode. Was klappt gut und was könnte verbessert werden? In: Schulverwaltung. 18. Jg.. 4. S. 110 – 113,
  • Bründel, H./Simon, E.(2005 b): Zufriedenheit in der Schule durch Trainingsraum- Methode. In: Reportpsychologie. 30. Jg.. Dt. Psychologen Verlag. Bonn. S. 416 – 425,
  • Bründel, H./Simon, E.(2004): Ein Programm – zwei Ziele. Stärkung der sozialen Kompetenz und Reduzierung von Unterrichtsstörungen. In: Schulmagazin 5-10. Impulse für kreativen Unterricht. Oldenburg Schulbuchverlag. München. S. 9 – 12,
  • Bründel, H./Simon, E.(2004): Auf dem Weg zur Eigenverantwortung und zum stressfreieren Unterrichten. In: Schulverwaltung. Zeitschrift f. SchulLeitung. SchulAufsicht und SchulKultur. Ausgabe Bayern. 27. Jg.. 2. S. 73 – 74,
  • Bründel, H./Simon, E. (2004): Auf dem Weg zur Eigenverantwortung und zum stressfreieren Unterrichten. In: SchulVerwaltung NRW. Zeitschrift für SchulLeitung. SchulAufsicht und SchulKultur.15. Jg.. 2. . S. 49 – 50,
  • www.trainingsraum-methode.de