Ich bin ich, du bist du und das sind wir!

Förderung von Lebenskompetenzen in Grundschulen

Verantwortliche / Anbieter

Kinderschutz-Zentrum Oldenburg
Friederikenstr. 3
26135 Oldenburg
Tel.: (04 41) 1 77 88 (Zentrale / Vertrauensstelle Benjamin)
Fax: (04 41) 2 48 98 00
E-Mail: info@kinderschutz-ol.de
www.kinderschutz-ol.de

Zielsetzung

Ziel ist die allgemeine Förderung von Lebenskompetenzen im Umgang mit schwierigen Situationen und der Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung. Das Projekt dient daher nicht nur einer „Spezial“-Prävention, sondern hat auch unspezifische Wirkung in Bezug auf andere Gefahrenfelder.
Lehrkräften in Schulen soll ein Basiswissen zum Thema sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen vermittelt werden. Sie sollen Handlungssicherheit im fachgerechten Umgang mit einer Vermutung oder einer Eröffnung erhalten. Weiterhin soll über Präventionsziele und -themen sowie eigene präventive Handlungsmöglichkeiten im Unterricht informiert werden.
Ziel der Präventionsarbeit ist nicht die Aufdeckung oder Bearbeitung von Fällen, sondern die vorbeugende Arbeit mit den Kindern. Da jedoch damit gerechnet werden muss, dass sich Kinder anvertrauen, ist eine entsprechende Vorsorge zu treffen.

Zielgruppe

Grundschüler*innen der 3. und 4. Klassen, Lehrkräfte und Eltern.

Inhalte und Methodik

Inhalte sind Prävention von Gewalt gegen Kinder (allgemein), sexueller Kindesmisshandlung, physischer Kindesmisshandlung, psychischer Kindesmisshandlung, Kindesvernachlässigung.
„Ich bin ich, du bist du und das sind wir!“ verfolgt einen geschlechtsspezifischen, bildungsorientierten und sozialpädagogischen Ansatz.
Methoden der Umsetzung sind:

  • Anstelle von kurzen und punktuellen Unterrichtsbesuchen sieht das Konzept des Kinderschutz-Zentrums Oldenburg eine längere Zusammenarbeit mit allen Beteiligten vor. Zwischen der ersten und der zweiten Fortbildung erstreckt sich ein Zeitraum von mehreren Monaten, in denen die Projektmitarbeiter immer wieder (unterschiedlich intensiv) mit den Schulen in Kontakt stehen und angesprochen werden können. Durch kontinuierliche, mehrwöchige Arbeit kann nicht nur intensiver gearbeitet und eine Vertrauensbeziehung zu allen Beteiligten aufgebaut, sondern das Thema sexuelle Gewalt auch behutsam in ein umfassenderes Thema eingebettet werden. Es wird wesentlich kürzer und punktueller mit Kindern gearbeitet, sie werden damit gezwungenermaßen konzentrierter mit dem Problem sexueller Gewalt konfrontiert.
  • Missbrauchsunspezifisches Rahmenthema statt Konzentration auf Missbrauch.
    Obwohl es ein Projekt zur Prävention von sexueller Gewalt ist, stellt es dieses Problem nicht in den Mittelpunkt der Arbeit. Es arbeitet vielmehr in seiner grundsätzlichen Ausrichtung unspezifisch zu dem Rahmenthema „Ich bin ich, du bist du und das sind wir!“.
  • Intensiver Einbezug der Eltern/ Mütter- und Väterabende.
    Für den Schutz der Kinder ist es wichtig, die Eltern aktiv in die Arbeit mit einzubeziehen. Im Rahmen des Projektes werden ihnen daher verschiedene Angebote gemacht, sich mit dem Thema auseinander zu setzen: ein Informationselternabend zur Vorstellung des Konzeptes und des Kinderschutz-Zentrums, ein erster einführender Elternabend in das Thema, spezielle Mütter- und Väterabende während der Durchführung, begleitende individuelle Gesprächsangebote für Eltern sowie ein Auswertungs- und Perspektivenelternabend am Ende der Arbeit in der Klasse. Außerdem wurde eine spezielle Mappe für Eltern entwickelt („Elternmappe“), mit Informationen zum Thema und konkreten Handlungsmöglichkeiten.
  • Arbeit im Verbund bei klarer Trennung von Prävention und Intervention.
    Das Präventionsprojekt arbeitet im Verbund mit dem ambulanten Beratungsbereich Vertrauensstelle Benjamin. Durch diese Arbeitsteilung wird abgesichert, dass Prävention und Intervention nicht miteinander vermischt werden, gleichzeitig aber z.B. im Falle einer Enthüllung Unterstützung gewährleistet ist.
  • Mehrsprachige Informationsmaterialien.
    Um möglichst auch Eltern aus unterschiedlichen Kulturen und Ethnien zu erreichen und Zugänge zu Hilfe zu eröffnen, wurden die Informationsmaterialien über das Kinderschutz-Zentrum und das Präventionsprojekt ins Türkische, Kurdische, Arabische, Russische und Spanische übersetzt.
  • Beratungsgespräche vor Ort.
    Um Zugänge zu Hilfemöglichkeiten zu eröffnen und Brücken zur Beratungsstelle zu bauen, werden den Mädchen und Jungen sowie den Eltern und Lehrern während der Projektlaufzeit Angebote zu Gesprächen vor Ort in der Schule gemacht. Diese werden von den Kindern intensiv genutzt. Es sind Möglichkeiten, Lebenskompetenzen (hier: das Holen von Hilfe bei Problemen) aktiv einzuüben.

Rahmenbedingungen

Das Projekt zeichnet sich durch seine Kontinuität aus und erstreckt sich über einen Zeitraum von 4 bis 5 Wochen pro Klasse. In einer Woche finden 2 Projekttage á 4 Unterrichtsstunden statt. Vorweg geht ein gemeinsamer Elternabend für Mütter und Väter, dann folgt ein spezieller Mütterabend und ein spezieller Väterabend und am Ende noch ein weiterer gemeinsamer Elternabend.
Die Kursleiter*innen sollten Dipl.-Pädagog*in bzw. Dipl.-Psycholog*in sein.

Schulungsangebot für Multiplikator*innen in Schulen

Verpflichtender Bestandteil des Konzeptes ist eine erste Fortbildung für das Gesamtkollegium der Schule vor Beginn und eine zweite nach Beendigung der Arbeit in den Klassen. Außerdem kann eine kollegiale Handlungsbasis und ein spezielles Konzept zum Umgang mit dem Problem sexueller Gewalt in der konkreten Schule erarbeitet werden. Dies ist für die Nachhaltigkeit der Arbeit von besonderer Bedeutung.
Ansprechpartnerin:
Frau Mareike van´t Zet
Tel.: (04 41) 1 77 88,
E-Mail: info@kinderschutz-ol.de

Evaluation

Das Projekt wurde kontinuierlich selbstevaluiert. Es zeigen sich deutliche Wissenszuwächse bei den Kindern, die bis zu 13 Monaten später noch stabil nachgewiesen werden können. Es kommt zu keiner gesteigerten Ängstlichkeit.

Erfahrungsberichte, Verbreitung

Durchführung seit 12 Jahren, in der Region Weser-Ems.

Kosten, Unterstützungs- Finanzierungshinweise

Pro Klasse entstehen Kosten von 1000,00 Euro.
Das Projekt wurde/wird finanziert durch Spenden und Sponsoren (2004 ff).
Informationen zu Unterstützugshinweisen gibt
Frau Mareike van´t Zet
Tel.: ( 04 41) 1 77 88,
E-Mail: info@kinderschutz-ol.de.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen

Das Programm „Ich bin ich, du bist du“ unterstützt grundsätzlich Ergebnisse und Wirkungen der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ist damit förderlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages nach dem Niedersächsischen Schulgesetz. Es kann dazu beitragen, Schulqualität zu verbessern, insbesondere in den prozessrelevanten Qualitätsbereichen 3 bis 6.

QB 3: Leitung und Organisation
QM 3.3: Schulorganisation (Angebote der individuellen Beratung und Unterstützung)
QB 4: Ziele und Strategien der Schulentwicklung
QM 4.1: Schulprogramm (Leitbild)
QM 4.3: Berufliche Kompetenzen (Fort- und Weiterbildung, Gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen)
QB 5: Bildungsangebote und Anforderungen
QM 5.2: Schuleigenes Curriculum (Unterrichtsergänzende Angebote)
QB 6: Kooperation und BeteiligungQM 6.1: Kooperation im Kollegium (Absprachen und Vereinbarungen)
QM 6.3: Beteiligung Schule als Lebensraum)

Erläuterungen:

  • Es wird die Lebenskompetenz „Hilfe holen bei Problemen“ in den Fokus genommen. Der Zugang zur Beratungsstelle (Kinderschutz-Zentrum) wird aktiv hergestellt.
  • Bei Berücksichtigung im Leitbild kann das Angebot eine zu dokumentierende Maßnahme des Schulprogramms darstellen.
  • Lehrerfortbildungen werden angeboten.
  • Verhaltenssicherheit im Umgang mit Krisensituationen in der Schule wirken entlastend auf die Lehrergesundheit.
  • Es besteht die Möglichkeit, es als Bildungsangebot in das schuleigene Curriculum zu integrieren und das Themenfeld `Lebenskompetenz im Umgang mit schwierigen Situationen´ als gesundheitsfördernde Entwicklungschance zu nutzen.
  • Absprachen im Umgang mit schwierigen Situationen fördern die Kooperation im Kollegium.
  • Externe Institutionen unterstützten die Gestaltung eines gesundheitsfördernden Erfahrungs- und Lernraums durch die Beteiligten.

Literatur / Quellen / Praxismaterialien

  • Hopf, A. / Herschelmann, M.(2004): Wie stärkend ist unsere Einrichtung? Ein Instrumentarium zur Evaluation von stärkenden Lebens- und Lernkulturen in Tagesstätten für Kinder und Grundschulen. Oldenburger Vordrucke 485. (Hrsg.): Didaktisches Zentrum (diz) der Carl von Ossietsky Universität Oldenburg.
  • www.kinderschutz-ol.de