Verhaltenstraining für Schulanfänger *

Förderung der Sozial- und Konfliktkompetenz in Vor- und Grundschulen

*Dieses Programm entspricht den Qualitätskriterien der „Grüne Liste Prävention“.

Verantwortliche / Anbieter

Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen
Prof. Dr. Franz Petermann
Grazer Str. 6
28359 Bremen
Tel.: (04 21) 2 18 6 86 00
E-Mail: fpeterm@uni-bremen.de

Zielsetzung

Das Verhaltenstraining fördert die emotionalen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten von fünf- bis siebenjährigen Kindern und beugt Aufmerksamkeitsstörungen, hyperaktivem und aggressivem Verhalten vor.

Zielgruppe

Kinder der 1. und 2. Grundschulklasse und Vorschulklassen.

Inhalte und Methodik

In den Trainingssitzungen werden die Kinder zu einer „Schatzsuche“ angeleitet, in deren Verlauf sie auf spielerische und effektive Weise Aufmerksamkeit, Problemlösefähigkeit, Konfliktmanagement, Regelverhalten, Erkennen von Gefühlen, Selbstkontrolle, Bedürfnisaufschub und prosoziales Verhalten erlernen.
Die Kinder lernen durch auditive und visuelle Reize, Symbole und Rituale, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren. Zusätzliche Methoden sind Rollenspiele, Übungen, Spiele, Singen, Beobachtung, Entspannungs- und Konzentrationsspiele, Feedback, Lob und Unterstützung.

Rahmenbedingungen

Das Verhaltenstraining findet zweimal (je eine Unterrichtsstunde) pro Woche in insgesamt 26 Unterrichtseinheiten statt. Je nach Umfang und Problematik der Klasse oder Gruppe wird diese als ganze oder in zwei Halbgruppen trainiert.

Schulungsangebot für Multiplikator*innen in Schulen

Im Rahmen der Kindertherapietage an der Universität Bremen (Information: Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen, Grazer Straße 2, 28359 Bremen) werden Schulungen für Trainer angeboten (http://www.praeventions-forum.de). Es werden vor allem Lehrkräfte, Sozialpädagog*innen und Erzieher*innen zur/zum Verhaltenstrainer*innen für die Durchführung des Trainings fortgebildet.

Evaluation

Die Ergebnisse der Evaluationsstudie zeigten, dass sozial-kognitive und sozial-emotionale Fertigkeiten sowie das Sozialverhalten durch das Training gesteigert werden konnten. Internalisierendes Verhalten (sozialer Rückzug, körperliche Beschwerden, Angst, Depression), externalisierendes Verhalten (Aggressivität, Delinquenz) sowie unaufmerksames Verhalten nahmen bei der Interventionsgruppe ab. Das Training wurde von den Klassenlehrer*innen positiv beurteilt.
Erfolgskriterien:

  • eine gute und gründliche Schulung und Fortbildung der Pädagogen,
  • eine gründliche Information der Eltern und aller Angehörigen und Mitarbeiter der Schule über Ziele, Inhalte und Methoden des Trainings,
  • eine klare Regelung über die personelle, zeitliche und räumliche Ausstattung der Maßnahme,
  • optimal ist eine Einbettung in einen Schulentwicklungsprozess,
  • Wiederholung von lerninhalten in den folgenden Schuljahren (z.B. Verhaltenstraining in der Grundschule).

Erfahrungsberichte, Verbreitung

  • Grundschule Osterhop (Bremen),
  • Ev. Kindertagesheim (Bremen-Grambke),

Das Trainingsprogramm wurde in dem Schuljahr 1999/2000 entwickelt und wiederholt seither evaluiert. Es ist inzwischen an vielen Schulen in ganz Deutschland im Einsatz.

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Das Handbuch für pädagogische Fachkräfte kostet 34,95 Euro. Das Arbeitsheft für Kinder zum „Verhaltenstraining für Schulanfänger“ kostet 7,95 Euro. Die Kosten für eine Fortbildung auf Anfrage.
Mögliche Förderer oder Sponsoren sind Krankenkassen (Prävention), Präventionsräte, Schulverwaltungen, Kreisverwaltungen (Abt. Soziales, Familie, Kinder, Jugendliche), Stiftungen für Förderung von Kindern.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen

Das Angebot „Verhaltenstraining für Schulanfänger“ unterstützt grundsätzlich Ergebnisse und Wirkungen (QB 1) der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ist damit förderlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages nach dem Niedersächsischen Schulgesetz. Es kann dazu beitragen, Schulqualität zu verbessern, insbesondere in den Qualitätsbereichen 2 bis 5.

QB 2: Lehren und Lernen
QM 2.2: Unterrichtsführung (Störungsprävention, Lernklima)
QB 4: Ziele und Strategien der Schulentwicklung
QM 4.1: Schulprogramm (Leitbild)
QM 4.3: Berufliche Kompetenzen (Fort- und Weiterbildung, Gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen)
QB 5: Bildungsangebote und Anforderungen
QM 5.2: Schuleigenes Curriculum (Unterrichtsergänzende Angebote)

Erläuterungen:

  • Das Programm zielt auf die Förderung sozial-emotionaler Kompetenz ab. Die Umsetzungsinhalte schaffen ein positives Lernklima und beugen Störungen vor (Erhöhung der Konzentrationsfähigkeit).
  • Bei Berücksichtigung im Leitbild kann es eine zu dokumentierende Maßnahme des Schulprogramms darstellen.
  • Lehrerfortbildungen werden angeboten.
  • Das Programm fördert prosoziales Verhalten der SchülerInnen, entlastet somit die Lehrkräfte auch als eine Maßnahme im Sinne gesundheitsfördernder Arbeitsbedingungen.
  • Es besteht die Möglichkeit, es als Bildungsangebot in das schuleigene Curriculum zu integrieren und das Themenfeld Förderung der sozial-emotionalen Kompetenz als gesundheitsfördernde Entwicklungschance zu nutzen.

Literatur / Quellen / Praxismaterialien

  • Petermann, F./ Natzke, H./ Gerken, N./ Walter, H.-J. (2013): Verhaltenstraining für Schulanfänger. Ein Programm zur Förderungen sozialer und emotionaler Kompetenzen. (3., überarbeitete und erweiterte Auflage). Göttingen: Hogrefe,
  • Petermann, F./ Natzke, H./ Gerken, N./ Walter, H.-J. (2006): Auf Schatzsuche. Ein Abenteuer mit Ferdi und seinen Freunden. Das Arbeitsheft für Kinder zum „Verhaltenstraining für Schulanfänger”. (2., veränderte Auflage). Göttingen: Hogrefe,
  • Bühler, A./Heppekausen, K. (2005): Gesundheitsförderung durch Lebenskompetenzprogramme in Deutschland – Grundlagen und kommentierte Übersicht. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Köln,
  • Gerken, N./Natzke, H./ Petermann, F./Walter, H.-J. (2002): Verhaltenstraining für Schulanfänger zur Primärprävention von aggressivem und unaufmerksamen Verhalten. Kindheit und Entwicklung, 11, 119 – 128,
  • Petermann, F./Gerken, N./ Natzke, H./Walter, H.-J. (2004): Mit Ferdi auf Schatzsuche – Ein “Verhaltenstraining für Schulanfänger” zur Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen. Praxis der Psychomotorik, 29, 283-285,
  • Petermann, F./ Natzke, N. (2008): Preliminary results of a comprehensive approach to prevent antisocial behaviour in preschool and primary school oupils in Luxembourg. School Psychology International, 2008, 29, 606-626,
  • Natzke, N./ Petermann, F. (2009): Schulbasierte Prävention aggressiv-oppositionellen und dissozialen Verhaltens. Praxis für Kinderpsychologie und Kinderpsychotherapie, 58, 34-50,
  • www.praeventions-forum.de