Papilio *

Förderung sozial-emotionaler Kompetenz im Kindergarten zur Prävention von Sucht und Gewalt

*Dieses Programm entspricht den Qualitätskriterien der „Grüne Liste Prävention“.

Verantwortliche / Anbieter

Papilio e.V.
Geschäftsführung und 1. Vorsitzende
Heidi Scheer
Ulmer Straße 94
86156 Augsburg
Tel.: (08 21) 44 80 5670
Fax.: (08 21) 44 80 3172
E-Mail: heidi.scheer@papilio.de
www.papilio.de

Kontaktmöglichkeit in Niedersachsen

Landkreis Schaumburg – Jugendamt –
Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen
Ursula Büthe
Jahnstraße 20
31655 Stadthagen
Tel.: (0 57 21) 70 34 00
E-Mail: kita.51@landkreis-schaumburg.de
www.schaumburg.de

Zielsetzung

Kinder sind unsere Zukunft, doch es gibt viele Kinder, die unter erschwerten Bedingungen ins Leben starten und häufig schon sehr früh als auffällig aus unserem System fallen.
Das Kindergartenprogramm „Papilio“ fördert vor allem diese Kinder – allerdings ohne sie zu stigmatisieren: „Papilio“ reduziert erste Verhaltensauffälligkeiten und stärkt alle Kinder in der Entwicklung ihrer sozial-emotionalen Kompetenzen sowie ihrer psychosozialen Gesundheit (universelle Prävention). Es legt damit die Basis für einen erfolgreichen Schulbesuch und schützt vor den Risiken, die bei Jugendlichen zu Sucht, Gewalt und anderen problematischen Entwicklungen führen können.

Zielgruppe

„Papilio“ setzt auf drei Ebenen an: ErzieherInnen, Kinder und Eltern. Das Programm wird dauerhaft im Kindergartenalltag durchgeführt und in diesen integriert.

Zielgruppe: Erzieher*innen als Schlüsselpersonen

Die ErzieherInnen sind die zentralen VermittlerInnen des Programms. Sie werden im entwicklungsfördernden Erziehungsverhalten fortgebildet und lernen, wie sie die „Papilio“-Maßnahmen mit den Kindern umsetzen und die Eltern einbinden.

Zielgruppe: Kindergartenkinder

Kinder von ca. 3 bis 7 Jahren sind die zentrale Zielgruppe. „Papilio“ spricht alle Kinder an (universelle Prävention), nachgewiesenermaßen profitieren aber Kinder mit ersten Auffälligkeiten besonders von „Papilio“. Wichtig ist „Papilio“ aber auch der Fokus auf die „auffällig Unauffälligen“. Auch extrem schüchterne und zurückhaltende Kinder profitieren vom Programm. Des Weiteren ermöglicht „Papilio“ auch Kindern, die nachgewiesenen Risikofaktoren ausgesetzt sind (z.B. psychische Belastung in der Familie, mangelnde Sprachfähigkeit, hohe Arbeitslosigkeit in der Region, niedrige Einkommen), sowie Flüchtlingskindern eine gesunde Entwicklung.

Zielgruppe: Eltern

Die Eltern werden über Elternabende und den „Papilio“-ElternClub bewusst und gezielt einbezogen. Damit unterstützt „Papilio“ die Eltern in Erziehungsfragen und fördert die Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und ErzieherInnen.

Inhalte und Methodik

„Papilio“ stärkt die sozial-emotionale Kompetenz der Kinder, denn diese ist Grundlage für das Erlernen aller anderen Fertigkeiten und reduziert erste Verhaltensauffälligkeiten. Das Programm funktioniert in jedem Kindergarten und beugt langfristig gegen Sucht und Gewalt im Jugendalter vor.

Es klingt paradox, doch das Besondere an „Papilio“ ist seine Alltäglichkeit. Wenn die Erzieher*innen fortgebildet sind und die Maßnahmen eingeführt haben, ist „Papilio“ Teil des Alltags. Mit der dauerhaften Umsetzung im Kita-Alltag fördern die „Papilio“-Maßnahmen zudem u.a.:

  • Sprachkompetenz,
  • Kreativität,
  • Resilienz,
  • Eigenverantwortung und Initiative,
  • Prosoziales Verhalten,
  • Konzentrationsvermögen.

Unter diesen Aspekt ist auch Inklusion im besten Sinn alltäglich: Kinder werden nicht wegen irgendwelcher Defizite (körperlich, intellektuell, sprachlich, optisch, gesundheitlich, …) ausgegrenzt oder gesondert behandelt (Fördergruppe, Förderstunde), sondern die Förderung ist Alltag und das nicht nur von Seiten der ErzieherInnen, sondern auch die Kinder unterstützen sich gegenseitig.

Kitas, Erzieher*innen und Team

„Papilio“ stärkt die Erziehungshaltung und beeinflusst die Teamstrukturen in der Kita positiv. Unter diesem Blickwinkel ist „Papilio“ mehr als ein Programm, es ist ein Ansatz, der sich jedoch flexibel in die Gegebenheiten jeder Kita einfügen lässt.

Stimmigkeit der Maßnahmen

Wichtig ist, dass „Papilio“ als Ganzes umgesetzt wird. Die Maßnahmen sind aufeinander abgestimmt und verstärken sich gegenseitig. Daher ist die Umsetzungstreue wichtig.

Kinder lernen spielerisch

„Papilio“ wurde speziell für Kindergärten entwickelt, weil damit sehr viele Kinder niedrigschwellig erreicht werden können. Für sie gibt es drei Maßnahmen, die altersentsprechend und spielerisch durchgeführt werden:

  • Paula und die Kistenkobolde (Schwerpunkt emotionale Kompetenzen), d.h. Kinder lernen die vier Grundgefühle Traurigkeit, Wut, Angst und Freude kennen und lernen mit ihren und den Gefühlen anderer umzugehen. Diese Maßnahme wurde u.a. in Kooperation mit der Augsburger Puppenkiste entwickelt.
  • Spielzeug-macht-Ferien-Tag (Schwerpunkt soziale Kompetenzen), d.h. Kinder spielen einmal wöchentlich ohne herkömmliches Spielmaterial und lernen, sich kreativ mit sich selbst und anderen Kindern zu beschäftigen.
  • Meins-deinsdeins-unser-Spiel (Schwerpunkt soziale Regeln und gegenseitige Unterstützung), d.h. Kinder erlernen spielerisch das gemeinsame Aufstellen und Einhalten sozialer Regeln.
Eltern helfen mit

Eltern werden bewusst einbezogen. Das verstärkt die positiven Wirkungen und unterstützt die Nachhaltigkeit.
Die Eltern werden für das Thema frühe Prävention sensibilisiert und über die pädagogischen Inhalte des Programms informiert. Dazu dienen Elternbriefe, Elternabende und individuelle Gespräche.
„Papilio“ legt besonderen Wert darauf, auch Eltern einzubeziehen, die erfahrungsgemäß wenig Angebote wahrnehmen (können). Dazu gibt es unterstützende Angebote für die ErzieherInnen. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Erziehungs-Partnerschaft, also dem Aufbau eines gelingenden Miteinanders in der Erziehung.
Um Teile von „Papilio“ auch zuhause umsetzen zu können, gibt es den ElternClub, Vorlesebücher und eine CD.
Im ElternClub erhalten Eltern Unterstützung in Erziehungsfragen.

Rahmenbedingungen

„Papilio“ wird dauerhaft umgesetzt, die erste Einführung erfordert einige separate Einheiten, die individuell in den Gruppenablauf im Gruppenraum eingefügt werden können.
Das vorhandene pädagogische Kita-Fachpersonal durchläuft vorab eine Fortbildung.
Träger können auch eigene MultiplikatorInnen fortbilden. Diese müssen pädagogische Fachkräfte mit einschlägiger Berufserfahrung sein und Qualifikationen in Kommunikation, Präsentation, Moderation und Selbstreflexion nachweisen.
Empfehlenswert ist die „Papilio“-Zertifizierung, die zur Aufrechterhaltung des Zertifikats und zur Qualitätssicherung (Umsetzungstreue, Update) einmal jährlich eine Fortbildung erfordert (1/2 Tag Minimum).

Schulungsangebot für Multiplikator*innen in Kita

Das Implementierungskonzept von „Papilio“ basiert auf einem Multiplikatorensystem.

  1. Der „Papilio“ e.V. bildet Fachkräfte zu TrainerInnen fort (Train-the-Trainer-Konzept).
  2. Diese „Papilio“-TrainerInnen bilden in ihrer Region ErzieherInnen (d.h. pädagogisches Fachpersonal in Kitas) fort. Die „Papilio“-ErzieherInnen führen das Programm in ihren Kindergartengruppen ein und durch.
  3. Darüber hinaus gibt es Intensivseminare, allgemeine Fortbildungen, Fachsymposien und die Aufbau-Fortbildung ElternClub.

Zu 1.: „Papilio“-TrainerInnen-Qualifizierung
Inhalt der Ausbildung als „Papilio“-TrainerInnen ist die Qualifizierung für die Verbreitung von „Papilio“, die Fortbildung von „Papilio“-ErzieherInnen und die fortlaufende Begleitung dieser Fachkräfte. Der zeitliche Umfang der Ausbildung sind ca. 10 Tage mit einem Kostenanteil von 2400,00 Euro.
Es ist erforderlich, für Niedersachsen TrainerInnen fortzubilden, damit die regionale Fortbildung und Begleitung von ErzieherInnen erfolgen kann.
Zu 2.: Fortbildung „Papilio“ für pädagogisches Fachpersonal
Inhalte sind die Grundlagen des „Papilio“-Programms, die wesentlichen Bausteine, wie diese Bausteine in den Kindergartenalltag eingeführt und wie die Eltern einbezogen werden.
Der zeitliche Umfang für das Basisseminar und darauf aufbauend das Vertiefungsseminar sind ca. 7 Tage mit einem Kostenanteil von ca. 750,00 Euro. Die Fortbildung ist die Voraussetzung, um „Papilio“ im Kindergarten einführen und dauerhaft durchführen zu können,
Vorausgesetzte Minimalqualifikationen der SchulungsteilnehmerInnen sind der ErzieherIn oder anderes Fachpersonal in Kitas.
Zu 3.: Aufbau-Modul „Papilio“ ElternClub
„ElternClub“ ist ein Aufbaumodul für „Papilio“-AnwenderInnen. Entsprechend gibt es Fortbildungen für MultiplikatorInnen (TrainerInnen) und ErzieherInnen (ElternClub-BegleiterInnen)
Intensivseminare
Intensivseminare vertiefen „Papilio“-spezifische Themen und richten sich an pädagogisches Fachpersonal, das „Papilio“ bereits in der Kindertagesstätte umsetzt. Aufgegriffen werden vor allem Themen, die in der praktischen Umsetzung von „Papilio“ erfahrungsgemäß zu Nachfragen führen. Die Teilnahme an Intensivseminaren dient der Aufrechterhaltung des „Papilio“-Zertifikats.

Seit 2012 bietet die Papilio Akademie Seminare zu allgemeinen Themen an, die die Arbeit mit „Papilio“ vorbereiten oder ergänzen, z.B. „Präsentation und Moderation“.

Qualitätsverbundtagungen (regional für ErzieherInnen, überregional für TrainerInnen) dienen der Umsetzungstreue und der Aufrechterhaltung der Qualität, was angesichts der dauerhaften und alltäglichen Durchführung wichtig ist.
Der Papilio e.V. veranstaltet in der Regel einmal jährlich ein Fachsymposium mit einem Themenschwerpunkt. Behandelt werden praktische, wissenschaftliche und zukunftsweisende Themen.
Die Teilnahme an Fachsymposien dient der Aufrechterhaltung des „Papilio“-Zertifikats.

Evaluation

Die praktische Umsetzbarkeit und Wirkung von „Papilio“ ist wissenschaftlich nachgewiesen. Die wichtigsten Ergebnisse des Modellprojekts mit Langzeitstudie mit 700 Kindern, ihren ErzieherInnen und Eltern:

  • „Papilio“ funktioniert in Kitas.
  • „Papilio“-Kinder reduzieren Verhaltensauffälligkeiten stärker als die Vergleichsgruppe.
  • „Papilio“-Kinder bauen mehr prosoziales Verhalten auf.
  • ErzieherInnen steigern ihre Arbeitszufriedenheit.
  • „Papilio“-Kinder erzielen am Ende der ersten Schulklasse bessere Leistungen.

Details zu den Ergebnissen http://www.papilio.de/papilio_ergebnisse.php

Erfahrungsberichte, Verbreitung

Das „Papilio“-Modellprojekt startete 2003, die Verbreitung von „Papilio“ in Deutschland startete 2006.
Seitdem wurden

  • 182 TrainerInnen in 12 Bundesländern und 5.986 ErzieherInnen in „Papilio“ fortgebildet,
  • 119.720 Kinder in 1.227 Kindergärten von „Papilio“ erreicht.

Kontaktanschriften zu Kitas, die „Papilio“ anwenden, können erfragt werden unter E-Mail: heidi.scheer@papilio.de.

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Kosten entstehen durch die Fortbildungen der Trainerinnen und Erzieherinnen und ggf. durch die Teilnahme an Qualitätsverbundtagungen.
In der laufenden Durchführung entstehen keine weiteren Kosten.
Der Papilio e.v. unterstützt bei der Suche nach Kooperationen, Förderern und Sponsoren.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Kita-Qualität: Gesundheit – Bildung – Entwicklung

QD 2: Entwicklung der Kita-Kultur
QK 2.1: Grundwerte und Handlungsprinzipien
QK 2.2: Psycho-Soziales Klima
QK 2.4: Bildungsverständnis und Bild vom Kind
QK 2.5: Einrichtungskonzeption
QD 3: Führung und Organisation
QK 3.1: Kita-Leitung und Trägerverantwortung
QK 3.2: Organisations- und Dienstleistungsentwicklung
QK 3.3: Qualitätsmanagement, -entwicklung, -sicherung
QK 3.5: Pädagogische Führung
QK 3.6: Personalmanagement
QK 3.10: Öffentlichkeitsarbeit
QD 4: Kooperation und Vernetzung
QK 4.1: Kita-Träger-Kooperation
QK 4.2: Zusammenarbeit der (pädagogischen) Fachkräfte
QK 4.3: Fort- und Weiterbildung
QK 4.4: Externe Beratung
QD 5: Bildung, Erziehung und Betreuung
QK 5.1 – 5.8
QD 6: Wirkungen
QK 6.1 – 6.4

Literatur / Quellen / Praxismaterialien