Eigenständig werden *

Förderung von Lebenskompetenzen in Grundschulen

*Dieses Programm entspricht den Qualitätskriterien der „Grüne Liste Prävention“.

Verantwortliche / Anbieter

IFT – Nord gGmbH
Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung
Frau Dr. Barbara Isensee
Harmsstraße 2
24114 Kiel
Tel.: 0431 5702930
E-Mail: isensee@ift-nord.de
www.eigenstaendigwerden.de
www.ift-nord.de

Zielsetzung

Ziel ist die schrittweise Vermittlung der nötigen Lebenskompetenzen, die dem Kind helfen, sich in der Welt zurechtzufinden und auch unvorhergesehenen Situationen kompetent zu begegnen und die gezielte Förderung gesundheitsrelevanter Ressourcen, um der Entwicklung von Risikoverhalten, Substanzkonsum und Gewalt vorzubeugen.
Hilfreich dabei ist der Aufbau und die Förderung partnerschaftlicher Beziehungen der Kinder zu Schule, Familie und sozialem Umfeld.

Zielgruppe

Die Zielgruppe von „Eigenständig werden“ sind Schüler*innen der 1. bis zur 4. Klassenstufe. Die Programmerweiterung für die Klassenstufen 5 und 6 wird seit dem Schuljahr 2010/2011 evaluiert.

Inhalte und Methodik

Für jede der 42 Unterrichtseinheiten existiert im Manual ein benutzerfreundliches Unterrichtsblatt. Auf der Vorderseite sind jeweils der Hintergrund der Einheit, die Zielsetzung, das benötigte Material, die notwendige Vorbereitung und ein allgemeiner inhaltlicher Überblick dargestellt.
Die Rückseite der Unterrichtsblätter geben detaillierte Hinweise zur Durchführung der Unterrichtseinheiten sowie weitere Anregungen für zusätzliche Aktivitäten. Für jede Unterrichtseinheit erhalten die Lehrkräfte außerdem alle notwendigen Kopiervorlagen und Hausaufgabenblätter. Für die Klassenstufen 1 bis 4 wurden Figuren entwickelt, die durch das Programm führen.
„Eigenständig werden“ setzt eine interaktive Didaktik ein, weil Studien zeigten, dass diese in der Prävention erfolgreich ist. Folgende Techniken und Methoden werden im Rahmen von „Eigenständig werden“ unter anderen eingesetzt:

  • Kleingruppenarbeit,
  • Gesprächskreise,
  • Entspannungsübungen,
  • Rollen-, Puppen- und Bewegungsspiele,
  • Lieder,
  • Experimente.

Projektbezogene Elternarbeit und die Vorstellung des Programms im Kollegium sind ebenfalls vorgesehen.

Rahmenbedingungen

„Eigenständig werden“ besteht aus 42 Unterrichtseinheiten, die jeweils für den Einsatz in der 1./2. Klasse oder in der 3./4. Klassenstufe konzipiert sind. Empfohlen wird, in jedem Schuljahr ca. 10 Unterrichtseinheiten durchzuführen. Die Unterrichtseinheiten sind unabhängig voneinander konzipiert, so dass ein Einstieg in jeder der Klassenstufen 1 bis 4 möglich ist.
„Eigenständig werden“ wird durch Lehrkräfte durchgeführt und in den Unterricht integriert. Voraussetzung für die Durchführung des Programms ist die vorherige Teilnahme der Lehrkräfte an einer 16-stündigen Fortbildungsveranstaltung, die in die Zielsetzung und die theoretische Fundierung des Programms einführt. Der Schwerpunkt dieser Veranstaltung liegt auf der praktischen Umsetzung der Unterrichtseinheiten in den Klassen.

Schulungsangebote für Multiplikator*innen in Schulen

Die Fortbildungen der Lehrkräfte für das Programm „Eigenständig werden“ werden regional von Multiplikatoren angeboten. Unter Multiplikatoren werden Fachkräfte aus dem Schul- und Gesundheitswesen mit Kenntnissen im Umgang mit Programmen zur Gesundheits- und Persönlichkeitsförderung und/oder in der Erwachsenenbildung verstanden, die durch das IFT-Nord speziell für diese Tätigkeit ausgebildet wurden.
Die aktuellen Termine der Multiplikatorenausbildung entnehmen Sie bitte der Homepage ↑ www.eigenstaendigwerden.de .

Evaluation

Eine mehrjährige Kontrollgruppen-Studie (2001 bis 2005) zur Überprüfung der Effektivität des Programms „Eigenständig werden“ wurde in Sachsen durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Teilnahme an dem Programm zu einer Abnahme von Verhaltensauffälligkeiten wie u. a. Minderwertigkeitsgefühle, Kontaktprobleme, aggressives Verhalten gegenüber Klassenkameraden und Ungehorsam führen kann.
Die Daten der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Health Education Research“ veröffentlicht.
Quelle: Maruska, K., Morgenstern, M., Isensee, B. & Hanewinkel, R. (2010). Influencing antecedents of adolescent risk-taking behaviour in elementary school: results of a 4-year quasi-experimental controlled trial. Health Education Research, 25, 1021-1030.
Bewertung der Unterrichtseinheiten durch die Lehrkräfte:
Insgesamt stießen die Unterrichteinheiten bei den Lehrkräften der Interventionsgruppe auf große Zustimmung. Die Zielsetzung der jeweiligen Unterrichtseinheiten wurde in 73,1% der Beurteilungen als sehr gut beurteilt. Die Altersangemessenheit und die Praktikabilität sowie das Zusatzmaterial wurden jeweils in der Mehrheit als sehr gut beurteilt.

Erfahrungsberichte, Verbreitung

Das Programm wird derzeit vorrangig in den vier Bundesländern Hessen, Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen umgesetzt. Insgesamt nahmen ca. 3000 Lehrkräfte an der Fortbildung zur Durchführung von „Eigenständig werden“ teil. „Eigenständig werden“ wurde im Jahr 2004 mit dem 1. Deutschen Präventionspreis der Bertelsmann Stiftung ausgezeichnet.
Bei Interesse an Erfahrungsberichten von Schulen oder Multiplikatoren wenden Sie sich bitte an das IFT-Nord.

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Die angebotenen Schulungen für Fachkräfte sind komplett kostenfrei, inkl. Materialien, Fahrtkosten, Unterkunft und Verpflegung. www.eigenstaendigwerden.de , Zugriff: 07.06.2021

Bezüge zum Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen

Das Angebot „Eigenständig werden“ unterstützt grundsätzlich Ergebnisse und Wirkungen (QB 1) der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ist damit förderlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages nach dem Niedersächsischen Schulgesetz. Es kann dazu beitragen, Schulqualität zu verbessern, insbesondere in den Qualitätsbereichen 3 und 4.

QB 3: Leitung und Organisation
QM 3.2: Mitverantwortung (Pädagogische Verantwortung)
QB 4: Ziele und Strategien der Schulentwicklung
QM 4.1: Schulprogramm (Leitbild)
QM 4.3: Berufliche Kompetenzen (Fort- und Weiterbildung)

Erläuterungen:

  • Ziel des Programms ist die Stärkung von Lebenskompetenzen der Kinder durch die Schule in deren pädagogischer Verantwortung.
  • Bei Berücksichtigung im Leitbild kann es eine zu dokumentierende Maßnahme des Schulprogramms darstellen. Bei entsprechenden Entwicklungsziel könnte es eine geeignete Aktivität zur Zielerreichung sein.
  • Die Lehrkräfte-Fortbildungen werden zu Beginn der Durchführung des Programms durchgeführt.

Literatur / Quellen / Praxismaterialien

  • www.eigenstaendigwerden.de
  • www.ift-nord.de
  • Koesling, S./ Schnepel, K./ Wiborg, G./ Hanewinkel, R. (2007): Das Programm „Eigenständig werden”. Umsetzung im Freistaat Sachsen. Prävention 2007; 30: 24-25
  • Bühler, A./ Heppekausen, K. (2005). Gesundheitsförderung durch Lebenskompetenzprogramme in Deutschland – Grundlagen und kommentierte Übersicht. Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung. Köln.
  • Wiborg, G. (2004): Eigenständig werden. In: Landesinstitut für Erziehung und Unterricht Stuttgart (2004). Suchtvorbeugung, Gesundheitsförderung, Lebenskompetenzen. Eine Handreichung für die Lehrerinnen und Lehrer für Informationen zur Suchtprävention in Baden-Württemberg. Landesinstitut für Erziehung und Unterricht Stuttgart.
  • Wiborg, G./ Hanewinkel, R. (2004): „Eigenständig werden”: Sucht- und Gewaltprävention in der Schule durch Persönlichkeitsförderung – Evaluationsergebnisse der ersten Klassenstufe. In: Mezer, W./ Schwind, H.-D. (2004): Gewaltprävention in der Schule. Nomos. Baden-Baden. 88-100
  • Wiborg, G./ Hanewinkel, R. (2001): „Eigenständig werden”: ein Unterrichtsprogramm zur Gesundheitsförderung und Suchtprävention in der Schule. Prävention 2001; 24: 56-9