Faustlos *

Gewaltprävention und Förderung der Sozialkompetenz Kinder und Jugendliche bis Sek 1

*Dieses Programm entspricht den Qualitätskriterien der „Grüne Liste Prävention“.

Verantwortliche / Anbieter

Heidelberger PräventionsZentrum (HPZ)
Blütenweg 5
69198 Schriesheim
Tel.: 06203 9577941
E-Mail: hpz@h-p-z.de
www.h-p-z.de

Zielsetzung

Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen und Prävention von aggressivem Verhalten.

Zielgruppe

Kindergartenkinder, Grundschüler*innen der Klasse 1 bis 3, Schüler*innen der Sekundarstufen.

Inhalte und Methodik

Die „Faustlos“-Unterrichtseinheiten sind jeweils einem von drei Inhaltsbereichen zugeordnet: Empathie, Impulskontrolle und Umgang mit Ärger und Wut.
Die Lektionen werden spielerisch per Gespräch, Modelllernen und Rollenspiel vermittelt. Andere Methoden sind:

  • Gruppengespräche,
  • Rollenspiele,
  • Fotos,
  • Brainstorming,
  • Aufgaben für den Alltag,
  • Videosequenzen (Sekundarstufe).

Die Materialien für die Grundschule umfassen ein Handbuch zum theoretischen Hintergrund sowie Informationen zur Anwendung des Curriculums, ein Anweisungsheft mit ausgearbeiteten Lektionen sowie Fotofolien bzw. Fotokarten, anhand derer die einzelnen Lektionen erarbeitet werden.

Rahmenbedingungen

Das Grundschulcurriculum umfasst 51 Unterrichtseinheiten.Die Lektionen werden einmal pro Woche durchgeführt. Die 51 Unterrichtseinheiten des Grundschulcurriculums erstrecken sich von der ersten bis zur dritten Klasse und die Lektionen bauen aufeinander auf.

Schulungsangebot für Multiplikator*innen in Schulen

Die Schulung für Erziehungs- und Lehrkräfte wird von erfahrenen und speziell geschulten Mitarbeiter*innen des Heidelberger Präventionszentrums durchgeführt und organisiert. Die eintägigen Seminare werden bundesweit angeboten.
Zentraler Bestandteil der Fortbildungsveranstaltung ist das praktische Erproben einzelner Lektionen in Form von Rollenspielen und intensiver Kleingruppenarbeit. Das Fortbildungskonzept setzt eine Gruppengröße von mindestens 12 und maximal 24 Personen voraus.

Die Fortbildungstermine werden jeweils individuell vereinbart. Terminklärung unter 06203 9577941. Weitere Informationen unter www.h-p-z.de

Evaluation

Die Wirksamkeit des Programms ist durch zahlreiche Studien belegt (für eine Übersicht vgl. Schick, 2006; http://h-p-z.de/hpz/publikationen). Sämtliche Studien fanden einen deutlichen Rückgang der Aggressionskennwerte und einen signifikanten Anstieg der Empathiefähigkeit. Die Lehrkräfte hoben zudem hervor, dass durch Faustlos viel weniger Unterrichtszeit für Konfliktregelungen verloren ging, weil die Kinder ihre Konflikte häufiger untereinander lösten, und dass es durch die Faustlos-Lektionen zu einem deutlichen Zuwachs an verbalen Kompetenzen kam (Bowi, Ott & Tress, 2008).
Für eine effektive Umsetzung ist zentral, dass

  • das Team vorab ausführlich über Faustlos informiert wurde und sich für das Programm entschieden hat,
  • das Team vorab an einer Fortbildung durch das Heidelberger Präventionszentrum teilnimmt,
  • eine kontinuierliche und regelmäßige Durchführung der Lektionen gewährleistet ist,
  • die Reihenfolge der Lektionen eingehalten wird.

Erfahrungsberichte, Verbreitung

Faustlos wird inzwischen (Stand 2018) an ca. 20.000 Einrichtungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und vielen deutschen Schulen im Ausland umgesetzt.

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Die Kosten für die Fortbildung belaufen sich auf 119,00 Euro pro Person. Bei einer Gruppenstärke von 12 bis 14 Personen kommt es zu einem reduzierten Gesamtpreis von 1.428,00 Euro, jede weitere Person zahlt 99,00 Euro.
Das Materialset für die Grundschule kostet 470,00 Euro, das für den Kindergarten 385,00 Euro.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen

Das Angebot „Faustlos“ unterstützt grundsätzlich Ergebnisse und Wirkungen (QB 1) der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ist damit förderlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages nach dem Niedersächsischen Schulgesetz. Es kann dazu beitragen, Schulqualität zu verbessern, insbesondere in den Qualitätsbereichen 2 bis 6.

QB 2: Lehren und Lernen
QM 2.1: Kompetenzorientierung (Sprachbildung)
QM 2.2: Unterrichtsführung (Störungsprävention, Lernklima)
QB 4: Ziele und Strategien der Schulentwicklung
QM 4.1: Schulprogramm (Leitbild)
QM 4.3: Berufliche Kompentenzen (Fort- und Weiterbildung)
QB 5: Bildungsangebote und Anforderungen
QM 5.2: Schuleigenes Curriculum (Unterrichtsergänzende Angebote)
QB 6: Kooperation und Beteiligung
QM 6.1: Kooperation im Kollegium (Absprachen und Vereinbarungen)
QM 6.3: Beteiligung (Schule als Lebensraum)

Erläuterungen:

  • Ziel des Angebotes ist die Prävention von aggressiven Verhaltensweisen und die Förderung von sozial-emotionaler Kompetenzen. Die Förderung sozialer Kompetenzen schafft ein positives Lernklima und fördert Sprachbildung durch angewandtes verbales Konfliktmanagement.
  • Bei Berücksichtigung im Leitbild kann es eine zu dokumentierende Maßnahme des Schulprogramms darstellen.
  • Lehrerfortbildungen sind vorgesehen. Das Programm fördert prosoziales Verhalten der SchülerInnen und entlastet damit die Lehrkräfte. (Lehrergesundheit)
  • Es besteht die Möglichkeit, es als – Bildungsangebot- in das schuleigene Curriculum zu integrieren und die Themenfelder sozial-emotionaler Kompetenzen und prosoziales Verhalten als gesundheitsfördernde Entwicklungschance zu nutzen.
  • Absprachen im Kollegium fördern die Kooperation im Team. Der friedliche Umgang miteinander ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischen Handelns (Schule als Lebensraum).

Literatur / Quellen / Praxismaterialien

  • Bowi, U./ Ott, G./ Tress, W. (2008): Faustlos – Gewaltprävention in der Grundschule. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 57, 509-520
  • Bühler, A./ Heppekausen, K. (2005): Gesundheitsförderung durch Lebenskompetenzprogramme in Deutschland – Grundlagen und kommentierte Übersicht. Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung. Köln
  • Cierpka, M. (Hrsg./ 2005): Möglichkeiten der Gewaltprävention. Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen
  • Malti, T./ Perren, S. (Hrsg./ 2016.): Soziale Kompetenz bei Kindern und Jugendlichen. Entwicklungsprozesse und Förderungsmöglichkeiten. Kohlhammer. Stuttgart
  • Schick, A. (2017). Second Step Violence Prevention and its European Versions. In G. Egloff (Ed), Child-Rearing. Practices, attitudes, and cultural differences (pp. 99-114). New York: Nova.