GemüseAckerdemie

Prävention in Schule und Familie durch angewandte Ernährungs- und Gesundheitsbildung

Verantwortliche / Anbieter

Ackerdemia e. V.
Großbeerenstr. 17
14482 Potsdam
E-Mail: info@ackerdemia.de
www.ackerdemia.de
www.gemueseackerdemie.de

Zielsetzung

Die GemüseAckerdemie ist ein ganzjähriges theorie- und praxisbasiertes Bildungsprogramm mit dem Ziel, die Wertschätzung von Lebensmitteln bei Kindern und Jugendlichen zu steigern. Neben der Vermittlung von landwirtschaftlichen Wissens und praktischer Fähigkeiten geht es um die Weiterentwicklung sozialer Kompetenzen, wie z.B. Teamfähigkeit, Respekt und Verantwortungsbewusstsein. Die Erfahrung, dass frisches Gemüse schmackhaft ist, sensibilisiert für nachhaltiges Handeln im Alltag. Weiteres Ziel ist die Bewegung an frischer Luft.

Zielgruppe

Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, deren Familien und weitere im Ackerteam.

Inhalte und Methodik

Die GemüseAckerdemie gliedert sich in drei Programmphasen: Die VorAckerzeit, die AckerZeit und die NachAckerzeit.

In der VorAckerzeit (Januar-April) geht es um die organisatorische und inhaltliche Vorbereitung. Die Lehrer*innen nehmen an der ersten Fortbildung teil und erhalten Infomaterial. Die Schülerinnen und Schüler bekommen anhand unserer Bildungsmaterialien einen ersten Einblick in das Thema Gemüseanbau, biologische Vielfalt sowie Bodenfruchtbarkeit und wir kümmern uns um die Saat- und Pflanzgutbestellung.

Die AckerZeit (April-Oktober) ist das Herzstück des Programms: Nach der Bepflanzung des Schulgartens geht es pro Woche eine Doppelstunde auf den Acker. Die Kinder pflanzen, pflegen, ernten und vermarkten ihr Gemüse. Die Lehrer*innen werden durch das eigens konzipierte Bildungsmaterial, Fortbildungen, wöchentliche Newsletter und persönliche Betreuung von der GemüseAckerdemie unterstützt.

In der NachAckerzeit (Oktober-Dezember) wird ein Blick „über den Ackerrand“ geworfen. Nach dem Erntedankfest und der letzten Ernte sind Exkursionen möglich und der zweite Teil der Bildungsmaterialien liefert unter dem Stichwort AckerGlobal zahlreiche Anregungen zu weiterführenden Unterrichtsthemen wie Lebensmittelverschwendung und Sortenvielfalt.

Lernmethode ist Selbsterfahren und –erleben am Realobjekt.

Rahmenbedingungen

Die Lehrkraft steht im operativen Fokus der Dienstleistung. Folgende Komponenten werden von der GemüseAckerdemie geboten:

  1. Unterstützung bei der Suche und Auswahl eines Ackers in der Nähe der Schule,
  2. Konzeption des SchulAckers,
  3. Anbau von verschiedenen Gemüsesorten (Anbauplanung, Bereitstellung von Saatgut und Jungpflanzen von ökologisch zertifizierten Betrieben, Aussaat und Bepflanzung an drei Pflanzterminen im Jahr mit Schüler*innen und dem Team der GemüseAckerdemie),
  4. Landwirtschaftliche Unterstützung während der AckerZeit (wöchentliche AckerInfos, persönliche AckerBeratung),
  5. Organisatorische Unterstützung bei der Akquise von AckerMentoren, bei der Vermarktung des Gemüses und der Ferienbetreuung des Ackers,
  6. Pädagogische Unterstützung mit über 20 ausgearbeiteten Lehrmodulen für Lehrkräfte und Schüler*innen und in 3 AckerFortbildungen.

Schulungsangebot für MultiplikatorInnen in Schulen

Der  Gemüseanbau an der Schule soll für Lehrer*innen so unkompliziert wie möglich zu gestalten sein. Die Unterstützung seitens der GemüseAckerdemie umfasst:

  • persönliche Ansprechpartner*innen vor Ort,
  • Hilfe bei der Ackersuche und -einrichtung,
  • Lieferung von Saat- und Pflanzgut,
  • Fortbildungen und wöchentliche Newsletter,
  • umfangreiche Bildungsmaterialien,
  • koordinative Leistungen,
  • weitere On- und Offlineangebote.

Evaluation /
Erfolgskriterien

Durch die dauerhafte strukturelle Einbindung des naturnahen Lernortes Gemüseacker in den Alltag von Kindern und Jugendlichen sowie den methodischen Mix aus Theorie und Praxis wird eine nachhaltige Wirkung erreicht. Ackerdemia e.V. führt die Wirkungsmessung in enger Zusammenarbeit mit Hochschulen durch und erstellt einen jährlichen Wirkungsbericht. Danach haben 88 Prozent der Kinder nach einem Ackerjahr mehr Wertschätzung für Gemüse und Lebensmittel entwickelt, 73 Prozent fühlen sich durch die körperliche Arbeit auf dem Acker ausgeglichener und 58 Prozent der teilnehmenden Kinder geben an, dass sie auf dem Acker besser zusammenarbeiten als im Klassenzimmer.

Erfahrungsberichte, Verbreitung

Die GemüseAckerdemie ist an über 500 Lernorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten. Im Jahr 2019 wurden über 21.000 Kinder und Jugendliche erreicht, ab Programmbeginn 2014 haben bereits über 37.000 Teilnehmer*innen mit der GemüseAckerdemie geackert. Landkarte zu teilnehmenden Schulen siehe unter www.gemueseackerdemie.de/Lernorte/Gemüseackerdemie

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Einen Teil der Kosten zur Umsetzung der GemüseAckerdemie trägt die Schule (Eigenanteil). Den Rest trägt in der Regel ein fördernder Partner. In Niedersachsen kooperiert Ackerdemia e.V. mit der AOK Niedersachsen. Die Umsetzung der GemüseAckerdemie kostet die Schule in diesem Fall einen Eigenanteil von maximal € 800 pro Jahr. Die AOK Niedersachsen fördert die Durchführung der GemüseAckerdemie an ca. 15 neuen Schulen pro Jahr in Niedersachen.

Nähere Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten gibt die GemüseAckerdemie – Regionalmanagement Niedersachsen, Marlena Wache,
E-Mail: m.wache@ackerdemia.de, Tel:  0176 459 73 738.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen

Das Angebot „GemüseAckerdemie“ unterstützt grundsätzlich Ergebnisse und Wirkungen (QB1) der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ist damit förderlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages nach dem Niedersächsischen Schulgesetz. Es kann dazu beitragen, Schulqualität zu verbessern, insbesondere in den Qualitätsbereichen 4 bis 6.
QB 4: Ziele und Strategien der Schulentwicklung
QM 4.3: Berufliche Kompetenzen ( Fort- und Weiterbildung)
QB 5: Bildungsangebote und Anforderungen
QM 5.1: Bildungsangebote
QM 5.2: Schuleigenes Curriculum (Unterrichtsergänzende Angebote)
QB 6: Kooperation und Beteiligung

Erläuterungen:

  • Persönliche Kompetenzen und Entwicklungsinteressen können in Fort- und Weiterbildung berücksichtigt werden.
  • Es besteht die Möglichkeit, es als Bildungsangebot in das schuleigene Curriculum zu integrieren und das Themenfeld Bewirtschaftung eines Schulgartens als gesundheitsfördernde Entwicklungschance zu nutzen.
  • Externe Institutionen unterstützen die Erweiterung des Bildungsangebotes.
  • Durch die Maßnahme wird ein ansprechender, einladender Erfahrungs- und Lernraum geschaffen.

Literatur / Quellen / Praxismaterialien

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2019): Deutschland, wie es isst. Der BMEL-Ernährungsreport 2019. https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/ernaehrungsreport2019.html
  • Kröller, K., Kröller, A. & Warschburger, P. (2013). Was isst Du am liebsten? Zusammenhang zwischen dem Bekanntheitsgrad eines Nahrungsmittels und der tatsächlichen Präferenz dafür. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, 21, S.53-61.
  • Eberle, U. und Hayn, D. (2007): „Ernährungswende – Eine Herausforderung für Politik, Unternehmen und Gesellschaft“, Öko-Institut, Freiburg/Darmstadt.
  • Holler, A. (2002): „Epidemie der Adipositas als Folge der Evolution – eine Geschichte der Ernährung“, Journal für Ernährungsmedizin 4 (2): 14-18.
  • Gerhards, J., Rössel, J., und Beckert-Zieglschmid, C. (2002): „Sozialstruktur, Lebensstile und gesunde Ernährung von Jugendlichen“, DGS-Nachrichten des 31. DGS-Kongresses im Oktober 2002, S. 60-66.
  • Pudel, V. (2005): „Verhaltens- und Verhältnisprävention – wie wirksam ist Ernährungserziehung?“ in Maasberg, A. et al. (Hrsg.): „Schule isst mehr – Impulse für Gesundheitsbildung, Ernährungsbildung und Alltagskompetenz“, Hannover. www.gesundheit-nds.de/impulse46_ohne_Bilder.pdf