HIPPY (Home Interaction for Parents and Preschool Youngsters) *

Kindergartenergänzendes Hausbesuchsprogramm für Familien mit Kindern im Alter von 4-7 Jahren

*Dieses Programm entspricht den Qualitätskriterien der „Grüne Liste Prävention“.

Verantwortliche / Anbieter

IMPULS Deutschland Stiftung e.V.
Geschäftsführender Vorstand
Peter Weber
Konsul-Smidt-Straße 8g
28217 Bremen
Tel.: (04 21) 69 67 86 – 0
E-Mail: info@impuls-familienbildung.de

Kontaktmöglichkeit in Niedersachsen

Regionalkoordinatorin Nord
Beate Niebel
Tel.: (0 58 22) 37 93
E-Mail: Beate.Niebel@impuls-familienbildung.de

Zielsetzung

HIPPY ist ein präventives Programm und verfolgt Ziele auf Ebene des Kindes, der Eltern und der Familie als Ganzes.
Im Einzelnen sind das:

  • Förderung der kognitiven, sozialen und emotionalen Entwicklung von Kindern im Vorschulalter,
  • Stärkung des Selbstvertrauens der Eltern und Kinder,
  • Vorbereitung auf die Einschulung und die Anforderungen der Schule,
  • Stärkung der Familie als wichtigster Lernort (einschließlich Geschwisterkindern),
  • Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung,
  • Sensibilisierung der Eltern für die Wahrnehmung der altersgemäßen Bedürfnisse und der Entwicklungsfortschritte ihrer Kinder,
  • Befähigung der Familien, den eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten entsprechend handeln zu können (Empowerment),
  • Verbesserung der Chancen auf gelingende Inklusion,
  • Schaffen von Informationszugängen zu familienrelevanten Themen,
  • Vorstellen und Erleichtern von Zugängen zu sozialen Einrichtungen,
  • Gesundheitsförderung und Prävention.

Zielgruppe

HIPPY (Home Interaction for Parents and Preschool Youngsters) ist ein klassisches Hausbesuchsprogramm der Frühen Bildung für Familien mit Kindern im Alter von vier bis sieben Jahren. Erfahrungen der bundesweiten Standorte zeigen, dass auch spezifische Zielgruppen wie Familien mit Migrationshintergrund, Familien in schwierigen Lebenslagen und Familien mit Förderbedarf erreicht werden. Durch das besondere Programmkonzept erreicht HIPPY auch Familien, die andere Angebote von Familienbildung und Erziehungshilfe nicht wahrnehmen.

Inhalte und Methodik

Als Hausbesuchsprogramm findet HIPPY in der Familie statt. Es stärkt das Lernen in der Familie und bereitet die teilnehmenden Kinder auf den Schuleinstieg vor. HIPPY dauert zwei Jahre und verläuft analog zum Schuljahr. Das Programm arbeitet mit einer Kombination aus 14-tägig alternierenden Hausbesuchen und Gruppentreffen. Die Familien werden von einer, durch eine pädagogische Fachkraft angeleitete, Hausbesucherin begleitet. Die Hausbesucherin stammt meist aus dem direkten sozialen Umfeld bzw. aus dem Kulturkreis der Familien. HIPPY- Hausbesuche finden auf Augenhöhe statt. Diese Augenhöhe schafft wiederum das nötige Vertrauen, um erfolgreich mit HIPPY zu arbeiten. Im Zuge der Hausbesuche führt dann die Hausbesucherin die Familien durch die eigens entwickelten Arbeitshefte und Begleitmaterialien. Diese enthalten Übungen, die zu gemeinsamen Aktivitäten einladen. Grundlage bilden dafür die Bilderbücher, aus denen Arbeitshefte und Begleitmaterialien entwickelt wurden, mit denen alle kindlichen Entwicklungsbereiche angesprochen werden. HIPPY setzt ganzheitlich an allen kindlichen Entwicklungsbereichen an. Dazu gehört neben der intellektuellen Förderung auch eine starke Gewichtung auf die emotionalen und sozialen Aspekte des Kindes. Die Basis des Programms ist der handlungsorientierte Umgang mit den Arbeitsmaterialien, wodurch der Dialog zwischen Mutter und Kind gefördert wird. Die 14-tägig stattfindenden Gruppentreffen dienen dem Auf-/Ausbau eines sozialen Netzwerkes und informieren die Familien über weitere Unterstützungsmöglichkeiten in ihrem Stadtteil / an ihrem Wohnort / in ihrem sozialen Umfeld.

Rahmenbedingungen

Innerhalb 24 Monate werden Familien mit Kindern im Alter zwischen 4 und 7 Jahren bis zum Schulbeginn zu Hause besucht. Die Hausbesuche finden außerhalb der Schulferien statt.
Zusätzlich finden 14-tägig Gruppentreffen mit anderen Familien in einem extra Gruppenraum statt.
Als Personalbedarf sind Ressourcen für die Koordination und für die Hausbesuche einzuplanen. Dabei gilt es bei 15 Familien für die Koordinatorin ca. 10 Stunden pro Woche und für die Hausbesucherin bei 15 Familien ca. 15 Stunden/Woche zu kalkulieren.

Schulungsangebot für Multiplikator*innen in Kita

Die von IMPULS Deutschland durchgeführten Schulungen für die KoordinatorInnen setzen Qualifikationen als pädagogische Fachkraft mit Fachhoch- oder Hochschulabschluss und/oder Erfahrungen im Bereich der Vorschulpädagogik, Erwachsenenarbeit und interkultureller Arbeit voraus.
Die HausbesucherInnen werden durch die KoordinatorInnen geschult. Voraussetzung hierfür sind die persönlichen Erfahrungen als Eltern, Empathie und ggfs. Kenntnisse der Muttersprache der zu besuchenden Familien.

Evaluation

Die Wirksamkeit des HIPPY Programms ist mehrfach nachgewiesen. Die bedeutsamsten Auszeichnungen sind:

  • Die „Grüne Liste Prävention“ des Landespräventionsrates Niedersachsen führt HIPPY in Kategorie 1 mit dem Status „Effektivität theoretisch gut begründet“.
  • Im Dezember 2010 wurde HIPPY von der Phineo gAG als besonders leistungsstarkes Programm mit dem „Wirkt“-Siegel ausgezeichnet.
  • HIPPY wurde im November 2013 mit dem 3. Platz des Deichmann Förderpreises für Integration ausgezeichnet. Wissenschaftliche Evaluationen sind durch Berg-Winkels & Halves 2009 (Hamburg) und die wissenschaftliche Begleitung in München (Bierschock et al., 2009) erfolgt. Außerdem wird im 13. Kinder- und Jugendbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2009), sowie von verschiedenen Expertisen des DJI (z.B. Sterzing 2009) immer wieder auf die besondere Wirkung des HIPPY Programms verwiesen.

Maßgeblich verantwortlich für den Erfolg des Programms sind die HausbesucherInnen. Sie schaffen durch ihre Vertrautheit und ihre Empathie den Zugang zu Familien, die andere Angebote der Familienhilfe ggfs. nicht wahrnehmen würden. Die Niedrigschwelligkeit ist das wichtigste Merkmal im HIPPY Konzept und die maßgebende Größe für einen erfolgreichen Programmdurchlauf.

Erfahrungsberichte, Verbreitung

2016 wurde HIPPY an 39 Standorten bundesweit durchgeführt. Es nahmen 2073 Familien am Programm teil (Stand Januar 2017). Im Programm arbeiteten ca. 60 Koordinator*innen und 165 Hausbesucher*innen. Weiterführende Informationen unter http://impuls-familienbildung.de/programme/#Hippy (Zugriff: 29.06.2017) und http://impuls-familienbildung.de/hippy-auf-youtube/

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Die Materialkosten pro Familie bei einem zweijährigen Programmdurchlauf belaufen sich für die Träger auf ca. 275,00 Euro. Geringfügige monatliche Unkostenbeiträge für die Materialien sind von den Familien in Absprache mit den durchführende Trägern zu leisten.
Die Personalkosten entstehen für die Koordinatorin (10h pro Woche) und die Hausbesucherin (15h pro Woche) und richten sich nach den Bedingungen des durchführenden Trägers.
Finanzierungsmöglichkeiten zur Implementierung des HIPPY Programms sind durch überregionale und regionale Stiftungen und Förderer, durch Maßnahmen nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz Sozialgesetzbuch (SGB) VIII § 16 Abs. 1 (Bildungsangebot für Kinder und Eltern), durch europäische und nationale Fonds und trägereigene Jugendhilfebudgets.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Kita-Qualität: Gesundheit – Bildung – Entwicklung

QD 2: Entwicklung der Kita-Kultur
OK 2.4: Bildungsverständnis und Bild vom Kind
QD 4: Kooperation und Vernetzung
QK 4.1: Kita-Träger-Kooperation
QK 4.6: Kooperation von Kita und Grundschule
QD 5: Bildung, Erziehung und Betreuung
QK 5.3: Beziehung und Interaktion
QK 5.4: Methoden
QK 5.5: Lernbereiche und Erfahrungsfelder
QK 5.6: Angebote für Kinder mit besonderem Förderbedarf
QK 5.7: Übergang Kita – Grundschule
QK 5.8: Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit den Eltern
QD 6: Wirkungen
QK 6.1: Auswirkungen auf die Kinder
QK 6.2: Auswirkungen auf die Eltern
QK 6.4: Auswirkungen aus Staat und Gesellschaft

Literatur / Quellen / Praxismaterialien

  • Arbeitsgemeinschaft für frühe Bildung in der Familie HIPPY Deutschland e.V. und Opstapje Deutschland e.V. (Hrsg.) (2010): Investitionen in frühe Bildung sichern die Zukunftschancen unserer Kinder. In: Jahresbericht 2009/2010. Bremen,
  • Bergs-Winkels, D., Halves, E. (2010): Evaluation des Programms HIPPY in Hamburg. Hamburg: Hochschule für Angewandte Wissenschaften,
  • Bierschock, K., Dürnberger, A., Rupp, M. (2009): Evaluation des HIPPY Programms in Bayern. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (Hrsg.),
  • HIPPY Deutschland e. V. (Hrsg.) (2009): Handbuch Koordinatorin. Schulung 2009. Bremen: HIPPY Deutschland e. V.,
  • Internetredaktion des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (o. J.): Familienwegweiser des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. http://www.familien-wegweiser.de/ (Zugriff: 29.06.2015),
  • Kiefl, W.; Kolbeck, E.; Pettinger, R. (1993): Kleine Schritte zur Integration. München: DJI Arbeitspapier 5-080, S. 78 zitiert nach Baur, K. (2004): Dip-lomarbeit. Konzeption eines kognitiven Lernprogramms für Vorschulkinder aus Migrantenfamilien am Beispiel des Projektes „Home Instruction Pro-gram For Parents Of Preschool Youngsters („HIPPY“),
  • www.impuls-familienbildung.de (Zugriff: 29.06.2015),
  • www.gruene-liste-praevention.de/nano.cms/datenbank/programm/23 (Zugriff: 29.06.2015),
  • www.phineo.org/empfohlene-projekte/integration/hippy (Zugriff: 29.06.2015).