buddY-Programm *

Förderung des sozialen Lernens, Gewalt- und Suchtprävention für Schüler*innen

 

*Dieses Programm entspricht den Qualitätskriterien der „Grüne Liste Prävention“.

Verantwortliche / Anbieter

EDUCATION Y
Benzenbergstr. 2
40219 Düsseldorf
Tel.: 0211 303291-0
E-Mail: info@education-y.de
www.education-y.de

Ansprechpartner für Niedersachsen

Achim König
Leiter Programme
Tel.: 0211 303291-16
E-Mail: achim.koenig@education-y.de

Zielsetzung

Schüler*innen:

  • Erwerb bzw. Stärkung persönlicher Handlungskompetenzen auf emotionaler, kognitiver und sozialer Ebene,
  • Stärkung von Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten,
  • Förderung von Verantwortungsübernahme für sich und andere,
  • Stärkung des Vertrauens in die eigene Handlungskompetenz (Selbstwirksamkeit),
  • Schüler als Akteure für die Gestaltung des sozialen Lebens in der Schule.

Lehrkräfte:

  • Impulse zur Veränderung von Haltung und Handlung von Lehrenden hin zu einer Beziehungskultur, die von Wertschätzung und Kompetenzorientierung geprägt ist,
  • Weiterentwicklung der eigenen Rolle vom „Lehrenden“ zum „Coach“ (Begleiter) für Schüler*innen,
  • Stärkung des Vertrauens in sich selbst und die Fähigkeiten und Kompetenzen der Schüler*innen,
  • Verbesserung des Klassenklimas und bessere Lernleistung der Schüler*innen,
  • Entlastung der Lehrkräfte durch Verantwortungsübernahme der Schüler*innen.

Schule:

  • Veränderung der Schulkultur zu einem konstruktiven Miteinander,
  • präventive Wirkung im Hinblick auf die Themenfelder Gewalt, Sucht und Ausgrenzung,
  • Wertsteigerung der Schule als Lern- und Lebensort,
  • Impulse zur Schulentwicklung: tiefgreifende und systemische Verankerung des buddY-Programms in Schulstruktur und Haltungskultur im Hinblick auf Schulentwicklungsansatz intendiert.

Zielgruppe

Schüler*innen aller Schulformen über die Trainings mit Lehrkräften, Schulsozialarbeiter*innen, Schulleitungen, erzieherische Fachkräfte.

Inhalte und Methodik

Zugrunde gelegt wird das pädagogische Selbstverständnis, dass soziales Lernen in diversen Gruppen, Erleben von Partizipation und Selbstwirksamkeit befördert und Empathie, Perspektivübernahme und Konfliktkompetenz stärkt. Ausgrenzung, Stigmatisierung und Exklusion kann auf diesem Weg entgegengewirkt werden. Die Schule wird zu einem lebensweltorientierten Lebensraum, der den Blick auf die dort handelnden Personen, im Besonderen die Lehrenden und auf ihre Ermöglichungsstrategien wirft. EDUCATION Y ist überzeugt, dass der Schlüssel für diese Form der Kompetenzförderung im anerkennenden Lehrer*innenhandeln liegt, das die Bedürfnisse, Ideen und Sichtweisen der Schüler*innen respektiert, als handlungsleitend erachtet und somit den positiven Selbstwert unterstützt.

Der Programmansatz eignet sich als eigenständiges Präventionsprojekt in der Schule. Durch sein bedarfsorientiertes Konzept kann es jedoch auch als Ergänzung und/oder als Klammer für bereits bestehende Projekte und Angebote (z.B.: Streitschlichter) zum sozialen Lernen an Schulen eingesetzt werden.
In sogenannten buddY-Praxisprojekten übernehmen Schüler*innen z.B. Patenschaften für jüngere Mitschüler*innen, helfen anderen beim Lernen oder engagieren sich in Kindergärten oder Seniorenheimen. Für jede Schule erarbeiten speziell ausgebildete buddY-Trainer gemeinsam mit den Lehrkräften schulspezifische Praxisprojekte. Schulen, die noch kein umfassendes Programm zum sozialen Lernen durchführen, erhalten ein Modell für den Einstieg in die Umsetzung.
Schulen, die in der Vergangenheit mit der Umsetzung ihrer sozialen Projekte nicht ganz zufrieden waren, erhalten ein Modell, das die vorhandenen Ansätze stützt und nachhaltig verankert. Schulen, die bereits über ein funktionierendes Programm zum sozialen Lernen verfügen, gewinnen über die Peergroup-Education Hilfen für eine zusätzliche Aktivierung und Beteiligung der Schüler*innen.
Der pädagogische Ansatz des buddY-Programms basiert auf vier Säulen:

  • Peergroup Education (Die Fähigkeiten und Kenntnisse von Peers nutzen),
  • Lebensweltorientierung (Sich an der Lebenswelt aller Beteiligten in Schule orientieren),
  • Partizipation (Partizipationsmöglichkeiten in Schule fördern),
  • Selbstwirksamkeit (Gelegenheiten für die Erfahrung von Selbstwirksamkeit).

Rahmenbedingungen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das buddY-Programm in Schulen einzuführen. Zum einen kooperiert EDUCATION Y als Trägerin des Programms mit den Kultusministerien der Länder, um es als Schulprogramm einzuführen. Zum anderen können sich mindestens vier Schulen zu einem Netzwerk zusammenschließen und ihre pädagogischen Fachkräfte im buddY-Training zu sogenannten buddY-Coaches ausbilden lassen.

In beiden Varianten erstreckt sich ein buddY-Training über sechs Tage, die über ein bis eineinhalb Schuljahre verteilt stattfinden. Nach der ersten Qualifizierung organisieren sich die Schulen in Netzwerken in denen sie sich gegenseitig beraten und weiterentwickeln. Zur Einführung des buddY-Programms an einer Schule muss ein Gesamtkonferenzbeschluss vorliegen. So ist sichergestellt, dass das buddY-Programm im Kollegium und bei der Schulleitung begrüßt wird.

Schulungsangebot für Multiplikator*innen in Schulen

Im buddY-Training entwickeln die teilnehmenden pädagogischen Lehrkräfte erste Schritte zur Initiierung von buddY-Projekten an ihren Schulen. Ein buddY-Training entwickelt sich aus dem Schüler-Audit und einer individuellen Bedarfsanalyse (pädagogisches Hexagon), die die Grundlagen für die folgenden insgesamt sechs Trainingstage sind:

  • Kick-off-Tag / Auftakt-Workshop (1 Tag),
  • buddY-Training (4 Tage),
  • Bilanztag (1 Tag).

Evaluation

Das buddY-Projekt wurde 1999 von der Vodafone Stiftung ins Leben gerufen und wurde ab 2005 durch den eigens gegründeten buddY E.V. zum buddY-Programm für Schulen weiterentwickelt. Inzwischen ist das Programm offizielles Schulprogramm in Niedersachsen, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Insgesamt haben mittlerweile mehr als 1.700 Schulen ein buddY-Training absolviert. Niedersachsen war das erste Land, das buddY als Programm zum sozialen Lernen im Herbst 2005 in 91 Schulen landesweit angeboten hat.

Das buddY-Landesprogramm Niedersachsen wurde von 2006 bis Ende 2007 von der Freien Universität Berlin evaluiert, also in der Anfangsphase der Umsetzung von buddY-Projekten an den niedersächsischen Schulen. Ziel war es, die Verbreitung, Ausgestaltung und den Innovationsgehalt des buddY-Programms in Niedersachsen zu überprüfen. Befragt wurden 91 Schulleitungen, 226 buddY-Lehrer und 455 Schüler*innen.

Schüler*innen werden BuddYs, weil sie anderen helfen möchten. 75,9% der Schüler*innen haben sich selbst für ein buddY-Projekt gemeldet, auch wenn einige von ihnen zuvor von einer Lehrkraft angesprochen wurden. Das Hauptmotiv der BuddYs ist das Interesse, anderen zu helfen.

Über 40% der BuddYs geben an, mehrmals in der Woche tätig zu sein bzw. um Hilfe angesprochen zu werden. Insgesamt sind es fast 80% der BuddYs, die mehrfach im Monat in Anspruch genommen werden. BuddYs gehen seit der Einführung des Projekts lieber in die Schule.

Eine positive Veränderung, die durch buddY erzielt wurde, ist, dass 62,4% der engagierten BuddYs angeben, dass ihnen Schule jetzt besser gefällt. Über 43% geben an, dass ihnen die Stimmung in den Pausen besser gefällt.

2009 wurde buddY von der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ und der Deutschen Bank als „Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet.

Erfahrungsberichte, Verbreitung

Auf der Homepage www.education-y.de befindet sich Praxisbeispiele und weiterführende Links zu den aktuellen Schwerpunkten des buddY-Programms (z. B. Kinderrechte, Schulentwicklung, Übergänge).

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

buddY ist ein Programm, dass sich neben einer Förderung auch über eine Teilnahmegebühr pro Person von 250,- bis 390,- € an die niedersächsischen Kompetenzzentren für Lehrerfortbildung finanziert.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen

Das buddY-Programm unterstützt grundsätzlich Ergebnisse und Wirkungen (QB 1) der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ist damit förderlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages nach dem Niedersächsischen Schulgesetz. Es kann dazu beitragen, Schulqualität zu verbessern, insbesondere in den Qualitätsbereichen 2 bis 6.

QB 2: Lehren und Lernen
QM 2.2: Unterrichtsführung (Lernklima)
QB 3: Leitung und Organisation
QM 3.2: Mitverantwortung ( Pädagogische Verantwortung)
QB 4: Ziele und Strategien der Schulentwicklung
QM 4.1: Schulprogramm (Leitbild)
QM 4.3: Berufliche Kompetenzen ( Fort- und Weiterbildung, Gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen)
QB 6 : Kooperation und Beteiligung
QM 6.3: Beteiligung (Mitwirkung an Gestaltungsprozessen, Schule als Lebensraum)

Erläuterungen:

  • Das Programm zielt auf die Förderung und Stärkung sozialer Kompetenzen ab. Es fördert den respektvollen Umgang miteinander und hat damit positive Wirkung auf das Lernklima.
  • Maßnahmen zur Gewaltprävention unterstützen das soziale Zusammenleben in der (Gemeinschaft) Schule. Bei Berücksichtigung im Leitbild kann es eine zu dokumentierende Maßnahme des Schulprogramms darstellen.
  • Die beruflichen Kompetenzen der Lehrkräfte sind insbesondere durch Fort- und Weiterbildung unterstützt. Das Programm fördert prosoziales Verhalten der SchülerInnen und entlastet damit die Lehrkräfte (Lehrergesundheit).
  • Das Programm unterstützt die Gestaltung des gesundheitsfördernden Erfahrungs- und Lernraums durch die Beteiligten.

Literatur / Quellen / Praxismaterialien