HaLT – Hart am Limit * **

HaLT in Niedersachsen

** Dieses Programm ist auf “Corona-Rahmenbedingungen” angepasst.

*Dieses Programm entspricht den Qualitätskriterien der „Grüne Liste Prävention“.

Verantwortliche / Anbieter

In Niedersachsen:
Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen
Ricarda Henze
Referentin für Suchtprävention und HaLT-Landeskoordination
Grupenstraße 4
30159  Hannover
Tel.: 0511 626266-0
E-Mail: henze@nls-online.de
www.halt-in-niedersachsen.de

HaLT-Regionen in Niedersachsen:
www.halt-in-niedersachsen.de (Regionale Ansprechpartner*innen sind über die Niedersachsenkarte ersichtlich).

Auf Bundesebene:
HaLT Service Center
Villa Schöpflin gGmbH – Zentrum für Suchtprävention
Lena Volk
Franz-Ehret-Str. 7
79541 Lörrach
Tel.: 07621 9149092
E-Mail: Lena.Volk@villa-schoepflin.de
www.halt.de

Zielsetzung

Ziel ist die Prävention des jugendlichen Alkoholmissbrauchs und Frühinterventionen durch reaktive und proaktive Bausteine in einer HaLT-Region.

Ziele im reaktiven Baustein sind:

  • die Frühintervention,
  • die Feststellung eines weiteren Unterstützungsbedarfs und ggf. Vermittlung ins Hilfesystem,
  • die Unterstützung der Eltern.

Ziele im proaktiven Baustein:

Ziel ist ein verantwortungsvollerer Umgang mit Alkohol durch Zielgruppen unter besonderer Berücksichtigung des Jugendschutzes mit einer ausgewogenen Mischung aus präventiven und kontrollierenden Maßnahmen.
Konkret geht es um die verbesserte Einhaltung des Jugendschutzgesetzes, die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und die Schaffung eines kommunalen Netzwerkes zum Aufbau suchtpräventiver Strukturen in der Region. Darüber hinaus ist die universelle Prävention mit Jugendlichen, insbesondere durch Vermittlung von Informationen, Risikokompetenz und erste Hilfe bei Alkoholunfällen, ein weiteres Ziel.

Zielgruppe

Im reaktiven Baustein:
Kinder und Jugendliche nach einer (stationär behandelten) Alkoholintoxikation und deren Eltern.
Im proaktiven Baustein:

  • die Allgemeinbevölkerung,
  • die Verantwortliche in der Kommune (z.B. Ordnungsamt, Jugendschutz, Suchthilfe und Prävention),
  • die Netzwerkpartner, z.B. Schulen, Gaststättenbetreiber und Festveranstalter, Einzelhandel, Krankenhäuser, u.a..

Inhalte und Methodik

Jede HaLT-Region hat eine*n HaLT-Koordinator*in als Ansprechpartner*in.
Im reaktiven Baustein werden Kooperationen mit den Krankenhäusern geschlossen. Kinder und Jugendliche, die in den Krankenhäusern wegen einer Alkoholintoxikation behandelt werden, sowie deren Eltern werden in das HaLT-Projekt vermittelt. Hier findet zeitnah mit den Jugendlichen ein sogenanntes Brückengespräch statt, dass die Ursachen für die Intoxikation reflektiert, mögliche Belastungen identifiziert und einen weiteren Unterstützungsbedarf eruiert. Teilweise haben die Betroffenen die Chance, an einem sogenannten RisikoCheck teilzunehmen. Eltern erhalten in einem Gespräch Unterstützung für einem angemessenen Umgang mit der Situation. Auch die Zuweisung von Jugendlichen nach einer Alkoholintoxikation durch andere Institutionen wie Polizei oder Schule, aber auch durch die Eltern ist möglich.
Für die Gespräche gibt es einen speziell entwickelten Gesprächsleitfaden auf der Basis der Motivierenden Gesprächsführung. Sie werden von geschulten Mitarbeiter/innen der Fachstellen für Sucht und Suchtprävention geführt.
Die Teilnahme der Betroffenen am HaLT-Projekt ist freiwillig.
Im proaktiven Baustein werden im Rahmen eines lokalen HaLT-Netzwerkes Akteure zusammengebracht, die gemeinsam die Bedingungen für den strukturellen Jugendschutz verbessern können. Hier gibt es vielfältige Konzepte z.B. für Festveranstaltungen, Gaststätten, Schulfeste und Klassenreisen, Einzelhandel, Berufsschulen für den Einzelhandel, Ordnungsamt und Polizei. Das regionale HaLT-Netzwerk legt seine Aktivitäten gemeinsam fest.
Um im Rahmen der universellen Prävention ein gutes Angebot für Jugendliche vor einer Alkoholintoxikation zu haben, wurde der Alkoholpräventionsworkshop „Tom & Lisa“ entwickelt, der in den meisten HaLT-Regionen, aber auch darüber hinaus angeboten wird (s. unter „Tom & Lisa“ als Schulsteckbrief der initiative). „Tom & Lisa“ kann von Fachkräften an der Schule durchgeführt werden oder Lehrkräfte/Schulsozialarbeiter*innen  lassen sich in dem Programm schulen, so dass sie die Materialien anschaffen und den Workshop intern durchführen können.

Rahmenbedingungen

HaLT bietet eine gute Struktur für unterschiedliche Maßnahmen. Im schulischen Kontext sind das z.B.:

  • allgemein Suchtprävention an Schulen, insbesondere in der Sek. I aller Schulformen,
  • Lernarragements  “Suchtprävention: Nikotin-, Alkohol- und Cannabis” in Klasse 7-10,
  • „Tom & Lisa“ – Alkoholpräventionsworkshop für den Klassen 8 und 9,
  • „HaLT-Schule“ (enge Kooperation zwischen Schule und Fachstelle für Suchtprävention, siehe z.B.
    www.igsmelle.de/upload/service/HaLT-Schule.pdf
  • Schulungen zum Jugendschutzgesetz in Berufsschulen (Einzelhandel).

Nehmen Sie Kontakt zu dem lokalen HaLT-Projekt auf und fragen Sie, was in Ihrer Region angeboten wird. Hier erfahren Sie auch die Informationen zu den Rahmenbedingungen.

Rahmenbedingungen Corona HALT 2020

Schulungsangebot für Multiplikator*innen in Schulen

HaLT ist ein regionales Vernetzungsprojekt. Während die Ziele und die Interventionsebenen (reaktiv und proaktiv) festgelegt sind, wird die Ausgestaltung des proaktiven Bausteins in den einzelnen Regionen nach Bedarf und Ressourcen bestimmt. Deswegen können hier keine allgemeingültigen Aussagen getroffen werden.
Einzelne Maßnahmen zur Alkoholprävention in der Schule sind aber auch für Multiplikator*innen – in diesem Fall also Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter*innen – ausgelegt.
Insbesondere „Tom & Lisa“ und das Lernarrangement “Suchtprävention: Nikotin-, Alkohol- und Cannabis” in Klasse 7-10 sind Konzepte, die auch für Multiplikator*innen geeignet sind.

Evaluation

Eine Übersicht über die Studien finden Sie hier:
Halt-Projekt Endbericht
Es lässt sich sagen, dass die Intervention im Rahmen des reaktiven Bausteins grundsätzlich wirksam sind.
Im Rahmen des proaktiven Bausteins ist eine Evaluation ungleich schwieriger.
Hinweise auf die Wirksamkeit dieser Strategie begründen sich aus dem Stand internationaler Forschung (vgl. BZgA (Hg.)(2013): Expertise zur Suchtprävention, S. 60 ff.) und sind auch in einzelnen Projektevaluationen zu finden (z.B. Jörg Wolstein, Mara Wurdak und Marco Stürmer (2012): Evaluation des Präventionsprojektes HaLT in Bayern – Factsheet, Institut für Psychologie, Otto-Friedrich-Universität Bamberg und Bayerische Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen BAS UG (haftungsbeschränkt) und BMG/Prognos (2008): Endbericht zum HaLT-Projekt.

Erfahrungsberichte, Verbreitung

HaLT wurde 2002 in Lörrach entwickelt und nach einer Bundesmodellprojektphase seit 2008 in anderen Bundesländern eingeführt. Bundesweit gibt es mittlerweile in nahezu allen Bundesländern 150 HaLT-Standorte. In Niedersachsen sind es 24 Standorte. Eine Übersicht finden Sie unter:
www.halt-in-niedersachsen.de
Näheres auch unter:
https://www.igsmelle.de/praevention/

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

HaLT braucht Ressourcen insbesondere für die Koordination und ggf. für die Präventions- und Interventionstätigkeiten. Im Rahmen der kommunalen Vernetzung werden in der Regel mit bereits vorhandenen Strukturen und Ressourcen gearbeitet.
Wenn Schulen an bestimmten Präventionsmaßnahmen interessiert sind, können ggf. Kosten entstehen. Die sind überschaubar und vor Ort zu erfragen.
Auch wenn Ihre Region keine HaLT-Region ist, können Schulen sich an die regionale Suchtberatungsstelle wenden. In 25 Regionen arbeiten spezielle Fachkräfte für Suchtprävention, die Schulen in Ihren präventiven Bemühungen unterstützen können. Adressen siehe unter nls-online.de / Standorte der Fachkräfte für Suchtprävention in Niedersachsen.
HaLT in Niedersachsen wird auf Landesebene von der NLS (Kontaktdaten siehe oben) koordiniert und dokumentiert.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen

Das Projekt HaLT unterstützt grundsätzlich Ergebnisse und Wirkungen (QB 1) der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ist damit förderlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages nach dem Niedersächsischen Schulgesetz. Es kann dazu beitragen, Schulqualität zu verbessern, insbesondere in den Qualitätsbereichen 3 bis 6.

QB 3: Leitung und Organisation
QM 3.3: Leitung und Organisation (Verwendung der Ressourcen)
QB 4: Ziele und Strategien der Schulentwicklung
QM 4.1: Schulprogramm (Leitbild)
QB 5: Bildungsangebote und Anforderungen
QM 5.2: Schuleigenes Curriculum (Unterrichtsergänzende Angebote)
QB 6: Kooperation und Beteiligung
QM 6.2: Kooperation nach außen (Ausbau der individuellen Förderung)
QM 6.3: Beteiligung (Schule als Lebensraum)

Erläuterungen:

  • Ziel des Projektes ist die Unterstützung der Erziehungskompetenz der Eltern und der sozialen Kompetenz von Kindern/Jugendlichen durch beratende Unterstützung von Netzwerkpartnern.
  • Suchtprävention ist laut Rd.Erl. des MK. v. 07.12.12 eine verpflichtende Aufgabe der Schule. Bei Berücksichtigung im Leitbild kann es eine zu dokumentierende Maßnahme des Schulprogramms darstellen.
  • Es besteht die Möglichkeit, es als Bildungsangebot in das schuleigene Curriculum zu integrieren und das Themenfeld Suchtprävention als gesundheitsfördernde Entwicklungschance zu nutzen.
  • Externe Institutionen unterstützen den Ausbau der individuellen Förderung.
  • SchülerInnen haben durch das Angebot die verantwortliche Mitgestaltungsmöglichkeit des schulischen Lebensraums.

Literatur / Quellen / Praxismaterialien

Zu HaLT und HaLT in Niedersachsen gibt es umfangreiche Informationen, Materialien und Literatur(hinweise) im Internet: