Schüler-Coaching – Mündener Modell

Ziele erreichen – Beziehungen gestalten – Werte leben

Verantwortliche / Anbieter

Kompetenzzentrum Mündener Modell
Berufsbildende Schulen Münden
Auefeld 8
34346 Hann. Münden
Tel.: (0 55 41) 9 03 78-0 Fax: (0 55 41) 9 03 78-44
E-Mail: info@schuelercoaching-bbsmuenden.de
www.schuelercoaching-bbsmuenden.de
Ansprechpartner*in:
OStD Gerd Reddig (Schulleiter)
StD’in Andrea Laake (Kursleiterin)

Zielsetzung

Das Mündener Modell fokussiert die individuelle Begleitung des Jugendlichen durch das begleitende Lehrerteam in Verbindung mit einer systematischen Anwendung präventiver Strategien sowie lösungsorientierter Interventionen im Rahmen der Klassenführung. Das Mündener Modell betont mit den beiden Säulen Schülercoaching und Klassenführung den gegenseitigen Respekt und die Achtung sich selbst und anderen gegenüber – beides getragen von der Menschenbildannahme der humanistischen Tradition. Ziel ist die Optimierung des Schul- und Klassenklimas und der Arbeitszufriedenheit von Schüler*innen und Lehrkräften und damit einhergehend die Verbesserung der schulischen Ergebnisse.

Zielgruppe

Schüler*innen und Lehrkräfte von weiterführenden Schulen ab Klasse 7/8 und BBSn. Schüler*innen als Jugendliche in der Lebensphase des Überganges in das Erwachsenenalter.

Inhalte und Methodik

Inhalte und Methoden beziehen sich auf drei wesentliche Herausforderungen in Schulen:

  1. Heranwachsende Menschen werden in ihren individuellen Zielsetzungen und Leistungsmotivation bezogen auf Schule unterstützt.
  2. Zwischenmenschliche Beziehungen sind wertschätzend aufgebaut und aufrechterhalten.
  3. Lernen ist in einer sicheren und vertrauensvollen Atmosphäre ermöglicht.

Erfolgsfaktor Schülercoaching

  • Das jeweilige Lehrerteam bzw. Teile des Teams coacht/ coachen die ganze Klasse.
  • Jede*r teilnehmende*r Schüler*in führt auf freiwilliger Basis mit ebenfalls freiwillig coachenden Lehrkräften ca. alle 5-6 Wochen ein Gespräch
  • Das Gespräch ist zielorientiert und klar strukturiert. Inhalte sind persönliche, schulische und berufliche Ziele der Schüler*innen und damit einhergehend die Förderung der SELBSTgestaltungspotentiale des jungen Menschen.

Erfolgsfaktor Klassenführung

  • Das Lehrer*innenteam legt zu Beginn des Schuljahres einen kollegialen Grundkonsens fest.
  • Vereinbarungen und deren Umsetzung werden von dem Lehrer*innenteam in Abstimmung mit den Schülerinnen und Schülern im Klassenverband zu Beginn des Schuljahres vereinbart.
  • Das Lehrer*innenteam führt die Klasse klar und wertschätzend.
  • Die Schüler*innen werden durch lösungsorientierte Interventionen unterstützt. (Reflexion vorhandener persönlicher Ambivalenzen, Entwicklung und Umsetzung neuer Verhaltensmöglichkeiten).

Die systematische Anwendung von präventiven und interventiven Strategien in der Umsetzung von gemeinsam getroffenen Vereinbarungen schafft eine sichere und vertrauensvolle Atmosphäre, die es dem Jugendlichen ermöglicht, sich auf den eigenen Lernprozess einzulassen. Disziplinprobleme reduzieren sich. In der Verknüpfung der Elemente Schülercoaching und Klassenführung liegt insgesamt eine große Chance für einzelne Schüler*innen, die Klassengemeinschaft, das Lehrerteam, die Schulgemeinschaft und letztendlich auch für den Schulentwicklungsprozess an Schulen.

Rahmenbedingungen

Intakte Klassenteams

  • Ein Lehrkräfteteam einer Klasse bildet ein Pionier- bzw. Projektteam,
  • Bestimmung der zu coachenden Klasse,
  • Ideal: 4-5 Coachees (Schüler*innen) pro Lehrkraft.

Unterstützung durch die Schulleitung/Abteilungsleitung/Koordination

Um das Modell nachhaltig zu verankern, ist die Unterstützung seitens der Leitungsebene ein absolutes MUSS! Die Leitungsebene setzt das Signal für eine gewollte Implementierung. Ein eindeutiges „Ja“ stärkt die Projektgruppe in ihrer Arbeit und fördert das Innovations- und Entwicklungspotenzial von Kolleg*innen, die nach neuen Wegen in der Begleitung von Jugendlichen suchen. Folgende Aufgaben fallen in den Unterstützungsbereich der Leitungsebene:

  • Entscheidung in der Schulleitungsrunde (Schulleitung/Abteilungsleitung/Koordination) für eine Prozessbegleitung,
  • Anrechnungsstunden zur Verfügung stellen. Optimal wird jede Coachingstunde 1:1 abgerechnet. Abrechnung erfolgt zum Ende des Jahres per Abrechnungsbogen.
  • Abteilungsleitung/Stundenplankoordination
    Unterstützung des Teambildungsprozesses: Wer coacht in der Projektklasse?
  • Abteilungsleitung/Stundenplankoordination
    Coachingstunden (Springstunden) im Stundenplan für Coachinggespräche einplanen.
  • ACHTUNG: Coachingstunden sind tabu für Vertretungsstunden,
  • Raumangebot für Coachinggespräche schaffen.

Ausbildung des Pionier- bzw. Projektteams

Das Projektteam ist im Anschluss an die Fortbildung in der Lage

  • den Coachingprozess an der Schule als Team zu starten und umzusetzen,
  • die Schritte einer systematischen Klassenführung umzusetzen,
  • das Kollegium der Schule über den fortlaufenden Prozess zu informieren,
  • interessierte Teams an der Schule im kommenden Jahr in das Modell einzuführen,
  • den Prozess zu evaluieren.

Projektverantwortliche*n bestimmen

Um eine nachhaltige Verankerung des Modells sicherzustellen, empfehlen wir im zweiten Jahr eine*n Projektverantwortliche*n zu bestimmen. Idealerweise nimmt diese Aufgabe ein Mitglied aus dem Projektteam wahr. Die Projektleitung erhält in Hann. Münden eine Anrechnungsstunde. Prozessbegleitende Schulungen (stellt Nachhaltigkeit sicher! und verbessert die Qualität der Gespräche im Coaching wie im Bereich der Klassenführung!) Die Vorgehensweise setzt seitens der Lehrkraft ein ausdrückliches Nachdenken über Annahmen voraus, die dem eigenen Handeln zugrunde liegen. Jährlich durchgeführte Fortbildungen ermöglichen eine Reflexion über das eigene Werte- und Rollenverständnis sowie einen Austausch über eigene Erfahrungen im Prozess. Zudem üben sich die Teammitglieder in den Techniken des Zuhörens und des Fragens und erweitern zunehmend ihre Fähigkeiten, mehr aus der Ebene des Erwachsenen-Ich heraus zu kommunizieren. Das Kommunikationsverhalten der Lehrkraft dient den Schüler*innen als Modell in Bezug auf Wertschätzung, Respekt und Vertrauen und dienen damit der Möglichkeiten eigener individueller Entwicklung. Die/der Projektverantwortliche organisiert zu Beginn des Prozesses im neuen Schuljahr eine Fortbildung für die aktiven Coachees.

Schulungsangebot für Multiplikator*innen in Schulen

Die Ausbildung zum Schülercoach umfasst zwei Modulblöcke:

  • Modul 1 (3 Tage) zu den Themen „Coachingprozess starten – Gespräche führen – Klassenführung anbahnen“
  • Modul 2 (2 Tage) im Anschluss an die Einführung des Modells zu den Themen „Veränderungen begleiten – Implementierung vorbereiten“.

Nach der Ausbildung sind jährliche Fortbildungen zur Reflexion und Weiterentwicklung des eigenen Handelns als Coach zur Qualitätssicherung notwendig. (s. Rahmenbedingungen)

Inhouse-Schulungen auf Anfrage.

Evaluation

Das Mündener Modell wurde im Frühjahr 2007 entwickelt. Seit dem Schuljahr 2007/2008 wird es realisiert und fortlaufend evaluiert. Die Ergebnisse des Modellversuchs im Schuljahr 2007/2008 haben gezeigt, dass das Schülercoaching in Verbindung mit einer klaren und wertschätzenden Führung des Klassenteams nachhaltig das Klassenklima verbessert und die Schüler*innenzufriedenheit erhöht. Gleichzeitig erzielen die Lernenden bessere Leistungen. Die Schüler*innenaussagen verdeutlichen: die Jugendlichen nehmen ihre Ziele in den Blick, aktivieren ihre Ressourcen und richten diese auf ihr Ziel hin aus. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Implementierung des Modells nachweislich auch die Lehrerzufriedenheit erhöht. (Evaluationsergebnisse im Detail: Fischer, Albert: Coaching in berufsbildenden Schulen, 2008)

Erfahrungsberichte, Verbreitung

Das Mündener Modell hat folgende Auszeichnung erworben:

  • Auszeichnung mit dem Deutschen Berufsschulpreis (2. Platz), 2009,
  • Auszeichnung durch die Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen (Geldpreis), 2009,
  • Auszeichnung mit dem Innovationspreis des Landkreises Göttingen in der Kategorie „Handwerk und Dienstleistungen“, 2010,
  • Stiftungspreis der EON-Mitte, 2010,
  • Auszeichnung durch die Volksbank Mitte (Geldpreis), 2010.

Referenzen sind unter http://www.schuelercoaching-bbsmuenden.de/stimmen-zur-fortbildung/ nachzulesen. Die systematische Implementierung des Mündener Modells an allen berufsbildenden Schulen im Landkreis Göttingen ist im Schuljahr 2011/2012 erfolgt. Kooperationspartner*innen sind das Niedersächsisches Kultusministerium, Niedersächsische Landesschulbehörde, Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen, IHK Hannover und der Landkreis Göttingen. Aus Erfahrungen in der BBS Münden nimmt im Laufe der letzten Jahre die Sensibilität für die Bedeutsamkeit kommunikativer Aspekte für zwischenmenschliche Beziehungen und kooperative Umgangsformen zu. Einzelkämpfertum wird zunehmend abgelöst durch ein kollektives Miteinander. Im Mittelpunkt steht die Idee, Veränderungen in der Interaktion im Unterricht, in Gesprächen mit Schüler*innen oder im Gespräch mit Lehrkräften aktiv wertschätzend und lösungsorientiert zu gestalten und die daraus resultierenden Verhaltensweisen systematisch zu thematisieren, zu reflektieren und zu konkretisieren.

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Kosten für die Ausbildung zum Schülercoach umfassen für das

  • Modul 1: Seminarkosten pro Person 150 Euro, Seminarpauschale pro Person 133 Euro (Vollverpflegung im Tagungshotel), Übernachtung pro Person/Nacht 86 Euro (im Tagungshotel),
  • Modul 2: Seminarkosten pro Person 100 Euro, Seminarpauschale pro Person 73,50 Euro (Vollverpflegung), Übernachtung pro Person/Nacht 86 Euro.

Anfragen über http://www.schuelercoaching-bbsmuenden.de/ort-termine-kosten/ (Zugriff: 23.04.2019). Die Kosten übernimmt in der Regel die jeweilige Schule.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen

Schüler-Coaching – Mündener Modell unterstützt grundsätzlich Ergebnisse und Wirkungen (QB 1) der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ist damit förderlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages nach dem Niedersächsischen Schulgesetz. Es kann dazu beitragen, Schulqualität zu verbessern, insbesondere in den Qualitätsbereichen 2 bis 6.

QB 2: Lehren und Lernen
QM 2.2: Unterrichtsführung (Lernklima)
QM 2.3: Individualisierung ( Lernbegleitung)
QB 3: Leitung und Organisation
QM 3.1: Leitungsverantwortung (Leitungsverhalten, Steuerung der Qualitätsentwicklung)
QM 3.3: Schulorganisation (Lehrereinsatz, Ressourcen, Angebote der indiv. Beratung und Unterstützung)
QB 4: Ziele und Strategien der Schulentwicklung
QM 4.1: Schulprogramm (Leitbild)
QM 4.2: Evaluation (Feedbackkultur)
QM 4.3: Berufliche Kompetenzen (Fort- und Weiterbildung, Gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen)
QB 5: Bildungsangebote und Anforderungen
QM 5.3: Leistungsbewertung (Lernberatung)
QB 6 : Kooperation und Beteiligung
QM 6.1: Kooperation im Kollegium (Kooperationsstrukturen, Absprachen und Vereinbarungen, Weitergabe von Expertisen)

Erläuterungen:

  • Das Programm zielt auf die Förderung und Stärkung sozial-emotionaler Kompetenzen, Lernfähigkeit und -bereitschaft ab. Es fördert den respektvollen Umgang miteinander und hat damit positive Wirkung auf das Lernklima.
  • Maßnahmen zur achtsamen Kommunikation unterstützen das soziale Zusammenleben in der (Gemeinschaft) Schule. Bei Berücksichtigung im Leitbild kann es eine zu dokumentierende Maßnahme des Schulprogramms darstellen.
  • Die beruflichen Kompetenzen der Lehrkräfte sind insbesondere durch Fort- und Weiterbildung unterstützt. Das Programm fördert prosoziales Verhalten der Schüler*innen und entlastet damit die Lehrkräfte (Lehrergesundheit).
  • Gemeinsames Vorgehen der Lehrkräfte hinsichtlich des Beratungskonzeptes Schüler-Coaching fördern die Kooperation im Kollegium und schaffen Verhaltenssicherheit.

Bezug zum Kernaufgabenmodell (KAM-BBS)    KAM BBS – Mündener Modell

Literatur / Quellen / Praxismaterialien

  • Fischer-Epe, Maren (2002): Coaching: Miteinander Ziele erreichen, vollst. überarb. Neuausgabe Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch
  • Fischer, Albert (2009): Coaching in Klassen des Übergangssystems. 3 Teile, in: Wirtschaft und Erziehung, Heft 5, S. 137-146, Heft 9, S. 259-266, Heft 10, S. 303-312
  • Laake, Andrea (2012): Schülercoaching in der Schulpraxis. Individuell fördern und begleiten nach dem Mündener Modell, Cornelsen Verlag (aktuell vergriffen)