Kindergarten plus *

Persönlichkeitsbildung in Kindertageseinrichtungen: soziale und emotionale Kompetenzen fördern

*Dieses Programm entspricht den Qualitätskriterien der „Grüne Liste Prävention“.

Verantwortliche / Anbieter

Kindergarten plus
Deutsche Liga für das Kind
Programmkoordinatorin
Stella Valentien
Charlottenstr. 65
10117 Berlin
Tel.: (030) 28 59 99 70
Fax: (030) 28 59 99 71
Mobil: (0157) 54 22 53 77
E-Mail: info@kindergartenplus.de
www.kindergartenplus.de
www.liga-kind.de
www.facebook.com/Kindergartenplus

Kontaktmöglichkeit in Niedersachsen

Das „Kindergarten plus“-Team vermittelt bei Anfrage gerne den Kontakt zu regionalen AnsprechpartnerInnen in ganz Niedersachsen.

Zielsetzung

Ziel des Projekts ist die Stärkung der kindlichen Persönlichkeit entsprechend dem in Artikel 29 UN-Kinderrechtskonventionen niedergelegten Bildungsziel „Persönlichkeitsbildung“.
Durch eine gezielte Förderung der sozialen und emotionalen Fähigkeiten von vier- und fünfjährigen Kindern in Kindertageseinrichtungen werden diese Kinder vor dem Übergang in die Schule in ihrer Persönlichkeitsbildung gestärkt.

Zielgruppe

Zielgruppe des Projekts sind vier- und fünfjährige Kinder in Kindertageseinrichtungen. Die Eltern der Kinder werden systematisch in das Programm einbezogen.

Inhalte und Methodik

„Kindergarten plus“ ist ein manualisiertes, primärpräventives Programm nach dem Setting-Ansatz und wird von geschulten TrainerInnen (Erzieherin/Erzieher) durchgeführt. Das Programm kann parallel oder nacheinander in mehreren Gruppen durchgeführt werden. Es richtet sich an alle Kinder einer Tageseinrichtung, schließt kein Kind aus und ist auch für Kinder mit besonderen Bedürfnissen geeignet. „Kindergarten plus“ basiert auf den Erkenntnissen, dass die entscheidenden Grundlagen emotionaler Intelligenz im frühen Kindesalter gelegt werden und jedem geistigen Lernschritt ein sozial-emotionaler voraus geht. Das Programm ist mit unterschiedlichen pädagogischen Handlungskonzepten und Ansätzen (u.a. Montessori, Reggio Pädagogik, Situationsansatz) kompatibel. Weitere wichtige Prinzipien sind die (Vor)strukturierung von Lernsituationen sowie ein ausgewogenes Verhältnis von Anleitung und freiem Spiel. „Kindergarten plus“ beinhaltet folgende Maßnahmen:

  1. Elterninformation, z. B: auf einem Elternabend,
  2. Durchführung der neun Module (Bausteine) des Programms mit den Kindern, angepasst an die Bedürfnisse der Kindergruppe. Verteilen der Elternmaterialien als schriftliche Information und Spiel-/ Gesprächsanregungen,
  3. Abschluss und Dokumentation des Projektes gemeinsam mit der Kindergruppe,
  4. Erhalt der „Kindergarten plus“-Geschichte als Lerngeschichte für jedes Kind,
  5. Durchführung eines Vertiefungsmoduls vor dem Übergang der Kinder in die Schule,
  6. Integration der Themen und Methoden in den Alltag der Kita und Möglichkeit wiederholter Durchführung.

Methoden:
Das Programm umfasst neun thematische Bausteine (Module), die an neun Vor- oder Nachmittagen in jeweils ca. eineinhalb bis zwei Stunden durchgeführt werden. Inhalte der Module sind die Themenbereiche:
Körper, Sinne, Gefühle (Angst und Mut, Wut und Freude, Traurigkeit und Glück), Beziehungen, Grenzen und Regeln, Dokumentation.
Eine „Kindergarten plus“-Gruppe umfasst acht bis zwölf Kinder im (Entwicklungs-)Alter von vier bis fünf Jahren. Methoden im Einzelnen sind Gesprächskreise, Bewegungsphasen, Kreatives Arbeiten, Musik. Unterschiedliches Arbeiten in der Gesamtgruppe, Kleingruppen, Paaren und individuell. Ein umfangreiches Materialpaket mit Bildkarten, „Wutkissen“, „Gefühlsrahmen“ u.v.m. sowie eine Lieder CD stehen zur Verfügung. Kindgerecht werden die Kinder mit Hilfe der Spielfiguren (Handpuppen) Tula & Tim durch das Programm begleitet. Die Methoden und Impulse in Spielen, Übungen, Gesprächen, Bewegung und Liedern leiten die Kinder dazu an, Körperbewusstsein zu entwickeln, ihre Sinne zu erfahren, Gefühle ausdrücken und benennen zu können, Konflikte gewaltfrei zu lösen und Eigenarten wahrzunehmen. Zum wiederkehrenden Ablauf gehört u.a. ein Begrüßungsritual (Namensschilder, Lied „Tula & Tim“), Dialoge mit den Handpuppen Tula & Tim, ein Gesprächskreis mit praktischen Übungen, eine Obstpause sowie ein Abschiedsritual (Gefühlsperle).

Rahmenbedingungen

Die Projektdurchführung ist idealerweise von zwei Fachkräfte (Erzieherinnen, bzw. Erzieher) in der eigenen Kita oder bei Kooperationen mit anderen Einrichtungen in einer weiteren Einrichtung. Das Programm ist auch von einer Fachkraft durchführbar.
Der zeitliche Umfang umfasst neun wöchentliche Module in jeweils ca. eineinhalb bis zwei Stunden in einem Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Für das zusätzliche Vertiefungsmodul zur Vorbereitung im Schulübergang sind ca. zweimal zwei Stunden einzuplanen.
Sinnvoll ist die Durchführung in einem Mehrzweck- und / oder Bewegungsraum.
Voraussetzung ist die Teilnahme der Durchführenden an der Basisfortbildung „Kindergarten plus“.

Schulungsangebot für Multiplikator*innen in Kita

Die Basisfortbildung „Kindergarten plus“ richtet sich vorrangig an pädagogische Fachkräfte (Erzieherinnen und Erzieher) in Kitas, ggf. auch im Hort oder Sonderschulbereich. Sie richtet sich des Weiteren auch an Schüler und Schülerinnen sozialpädagogischer Fachschulen, bzw. Hochschulen. Die Fortbildung umfasst eine intensive Vorbereitung der Durchführung sowie deren Reflexion. Neben dem Austausch in der Seminargruppe und der Kleingruppenarbeit kommen während der beiden Präsenztage diverse Medien (Texte, Video, Musik, Handpuppen) zum Einsatz. Sowohl während der Seminartage, als auch im E-Learning-Modul können die Teilnehmer und Teilnehmerinnen von ihrem Vorwissen ausgehend Kompetenzen erweitern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Methodik, also der Entwicklung von Handlungskompetenz für die Projektarbeit sowie dem pädagogischen Alltag.

  1. Basisfortbildung Teil 1 (acht Stunden) von ca. 2-5 pädagogischen Fachkräften je Kita (Seminargruppe von bis zu 20 Personen aus ca. vier Kitas),
  2. Anschließendes Modul E-Learning, ca. 3 h für die Fachkräfte (Vertiefung der Inhalte und Vorbereitung der Umsetzung des Programms im Selbststudium und in Absprache mit dem Team),
  3. Erste Dokumentation des Projektes (zwölfseitiger Evaluationsbogen „Kindergarten plus“) durch die Fachkräfte (Arbeitsaufwand ca. zwei Stunden),
  4. Basisfortbildung Teil 2 (acht Stunden) zum Austausch der Erfahrungen und zur Sicherung der Nachhaltigkeit (Themenschwerpunkt u.a. auf Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten),
  5. Information über die Weiterentwicklung des Programms über Newsletter und Facebook-Präsenz.

Die Fortbildungskosten betragen pro Kita (die neu mit „Kindergarten plus“ einsteigt) 500,00 Euro und sind in der Gesamtsumme von 1.000,00 Euro enthalten, siehe unten unter Kosten). Es können zwei bis fünf Personen aus jeder Einrichtung teilnehmen. Fachkräfte aus Kitas, die schon mit „Kindergarten plus“ arbeiten, können für einen Pauschalpreis von 120,00 Euro pro Person an einer zweitägigen Fortbildung teilnehmen.
Die Dozentinnen und Dozenten im Projekt „Kindergarten plus“ haben (in der Regel) eine pädagogische Grundausbildung, Erfahrungen und Sicherheit in der Erwachsenenbildung und in der Arbeit mit Kindern. Sie durchlaufen einen Prozess: Basisschulung; anteilige, dokumentierte Durchführung des Programms; überzeugendes Abschlussinterview. Alle Dozentinnen und Dozenten werden vom „Kindergarten plus“-Team, in Verantwortung der Deutschen Liga für das Kind, ausgebildet. Ein Reflexionstag der Dozenten findet jährlich statt.

Evaluation

Die Leuphana Universität Lüneburg hat „Kindergarten plus“ im Zeitraum von 2008 bis 2011 im Raum Niedersachsen in einer Quasi-experimentelle Studie mit follow-up nach 8 Monaten evaluiert.
Ziel der Evaluation war es, die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit des Programms in Bezug auf das emotionale und soziale Lernen der Kinder zu überprüfen. 424 Kinder aus 24 Interventions- und 13 Kontrollkindergärten nahmen an der Untersuchung teil. Die Stichprobe setzte sich aus N=424 Kindern aus 37 Kindergärten in Niedersachsen zusammen. 228 Kinder gehörten der Interventions- und 196 Kinder der Kontrollgruppe an. Die Entwicklung der Kinder wurde zu drei Messzeitpunkten (vorher, nachher, follow-up) während eines Jahres mit dem „Fragebogen zu Stärken und Schwächen“ (SDQ-deu Erzieherauskunft), mit Fragen zum positiven Konfliktverhalten (Erzieherauskunft) und der „Skala zur Erfassung des Emotionswissens“ (SEW- Kinderinterview) erhoben. Darüber hinaus wurde eine formative Befragung mit den durchführenden Trainerinnen (N= 28) zu ihren Erfahrungen mit dem Programm durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten, dass „Kindergarten plus“ das Problemverhalten der Kinder verringern und prosoziales Verhalten fördern kann. Die sozialen Kompetenzen der an dem Programm teilnehmenden Kinder verbesserten sich signifikant. Soziale Impulsivität und tendenziell Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen nahmen ab. Die emotionalen Kompetenzen der Kinder verbesserten sich ebenfalls signifikant im Hinblick auf die Abnahme ihrer externalisierenden Verhaltensauffälligkeiten (Wutanfälle, mangelnde Folgsamkeit, Lügen und Stehlen).
Entsprechend der internen Evaluation der Fragebögen „Kindergarten plus“ aus den Kitas und den Rückmeldungen aus den Seminaren sind identifizierte Erfolgskriterien die Orientierung der Umsetzung an den Interessen und Bedürfnissen der Kinder. Demnach sind Stolpersteine Zeitdruck, ungünstige Räumlichkeiten (zu klein, Ablenkung) und eine zu große Kindergruppe.

Erfahrungsberichte, Verbreitung

„Kindergarten plus“ wird deutschlandweit in über 1.800 Kitas durchgeführt. Im Saarland und Rheinland-Pfalz bestehen Kooperationen auf Kultusebene. „Kindergarten plus“ steht, gemeinsam mit den Programmen Klasse2000 und Lions Quest unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Das „Kindergarten plus“-Team vermittelt bei Anfrage gerne den Kontakt zu Kitas in Niedersachsen, die mit dem Programm arbeiten.
www.kindergartenplus.de/kindergartenplus.php

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Die Kosten für die Durchführung des Programms je Einrichtung betragen einmalig 1.000,00 Euro, darin eingeschlossen sind die Fortbildung und das Materialpaket. Kosten für eine erneute Durchführung entstehen im Rahmen von Nachbestellungen oder dem Ausdruck von Materialien (Folgekosten ca. 60,00 Euro pro Projektgruppe). „Kindergarten plus“ gehört, gemeinsam mit den Programmen Klasse2000 und Lions Quest zum Jugendprogramm der Deutschen Lions Clubs („Stark fürs Leben“). Das „Kindergarten plus“-Team vermittelt bei Anfrage gerne den Kontakt zu fördernden Lions Clubs in Niedersachsen sowie weiteren möglichen Sponsoren und Förderern. Üblicherweise beteiligen sich die Kitas mit einer Summe von 100,00 an den Materialien.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Kita-Qualität: Gesundheit – Bildung – Entwicklung

QD 5: Bildung, Erziehung und Betreuung
QK 5.1: Tagesgestaltung
QK 5.3: Beziehung und Interaktion
QK 5.4: Methoden
QK 5.5:Lernbereiche und Erfahrungen
QK 5.6: Angebote für Kinder mit besonderem Förderungsbedarf
QK 5.7: Übergang Kita – Grundschule
QK 5.8: Erziehungs- und Bildungspartnerschaft
QD 6: Wirkungen
QK 6.2: Auswirkungen auf die Eltern
QK 6.3: Auswirkungen auf die MitarbeiterInnen, Einrichtung, TrägerQK 6.4: Auswirkungen auf Staat und Gesellschaft

Literatur / Quellen / Praxismaterialien