Balu und Du. Großes Engagement für kleine Persönlichkeiten * **

Ein außerschulisches Mentorenprogramm für Grundschüler von Studierenden, Oberstufenschüler*innen oder anderen jungen Ehrenamtlichen.

* Dieses Programm entspricht den Qualitätskriterien der „Grüne Liste Prävention“.
** Dieses Programm ist auf „Corona-Rahmenbedingungen“ angepasst.

Verantwortliche / Anbieter

Balu und Du e.V.
1. Vorsitzender
Dr. Dominik Esch
Georgstraße 7
50676 Köln
Tel.: 0221 2010-326
E-Mail: dominik.esch@balu-und-du.de

Programmentwicklung Balu und Du:

Julia De Juan
c/o Universität Osnabrück
Poststelle
49069 Osnabrück
Tel.: 0541 969 4223
E-Mail: Julia.dejuan@balu-und-du.de
www.balu-und-du.de

Zielsetzung

Das bundesweite Mentorenprogramm „Balu und Du“ fördert Grundschulkinder (Moglis) im außerschulischen Bereich. Junge, engagierte Erwachsene (Balus) übernehmen ehrenamtlich mindestens ein Jahr lang eine individuelle Patenschaft für ein Kind. Sie helfen ihm durch persönliche Zugewandtheit und aktive Freizeitgestaltung, sich in unserer Gesellschaft zu entwickeln und zu lernen, wie man die Herausforderungen des Alltags erfolgreich meistern kann. Die Kinder werden in der Regel von Grundschulen und natürlich mit Zustimmung der Eltern und der Kinder selber für das Programm vorgeschlagen.

Zielgruppe

Kinder im Grundschulalter, die ihren Lehrer*innen Sorgen bereiten. Die belastenden Einschränkungen („Risikofaktoren“) können sowohl sozialer Natur sein, z.B. Armut, zerrüttete Familienverhältnisse oder ein problematisches soziales Umfeld, wie auch auf individuelle Handicaps bezogen sein, z.B. Behinderungen.

Inhalte und Methodik

Inhalte:

Es ist ermutigend, dass die Stärkung der Resilienz von Moglis eigentlich eine ganz einfache – fast gewöhnliche – Sache ist. Es geht um die Fähigkeit zu denken, zu lachen, zu hoffen, zu handeln, um Hilfe zu bitten, sie anzunehmen und dem Leben einen Sinn zu geben (nach A. Masten). Anlässe, um diese schlichten aber wichtigen Verhaltensweisen zu entwickeln, ergeben sich aus den „Erfahrungsräumen im Alltag“ (vgl. C. Wustmann). Hier wird deutlich, dass das Informelle Lernen, auf das „Balu und Du“ aufbaut, für die Stärkung der Resilienz eine sehr geeignete Methode ist. Die Resilienz wird nicht in einem Kurs oder Training gestärkt, sondern durch die zahlreichen Lernanlässe und positiven Erfahrungen im alltäglichen Leben der Kinder.
Als besonders wirksame Schutzfaktoren werden im einzelnen folgende Sozialisationsmerkmale genannt:

  • stabile emotionale Beziehungen zu einer Bezugsperson,
  • strukturgebendes, emotional positives und unterstützendes Erziehungs- bzw. Interaktionsklima,
  • Rollenvorbilder für ein konstruktives Bewältigungsverhalten bei Belastungen,
  • soziale Unterstützung durch Personen außerhalb der Familie,
  • dosierte soziale Verantwortlichkeit.

Zusätzlich werden einige personale Merkmale genannt:

  • Mindestens durchschnittliche Intelligenz,
  • Flexibilität und Annäherungstendenz als Temperamentsmerkmal,
  • positives Selbstkonzept,
  • aktives Bewältigungsverhalten bei Belastungen,
  • Überzeugung von Sinnhaftigkeit und Struktur der eigenen Entwicklung (nach Lösel und Bender, 2007).

Methodik:

„Balu und Du“ organisiert Eins-zu-eins-Beziehungen zwischen Mentoren im Alter von 17 bis 30 Jahre zu Grundschülern.
„Balu und Du“ organisiert die professionelle Begleitung der Mentoren.

„Balu und Du“ eignet sich sehr gut als Service-Learning-Projekt für weiterführende Schulen und Hochschulen. So bieten Gymnasien in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen „Balu und Du“ als für das Abitur relevantes Seminarfach/Projektkurs an. Berufsbildende Schulen bieten „Balu und Du“ als Optionales Lernfeld oder Differenzierungskurs in der Erzieherausbildung an. Hochschulen wie die Universitäten Osnabrück, Oldenburg und Vechta bieten „Balu und Du“ als Modul an. Gleichwohl ist „Balu und Du“ zumeist eine ehrenamtliche Leistung, denn nur die Reflektion wird von der Bildungseinrichtung zertifiziert, die Treffen mit dem Kind sind ehrenamtlich. „Balu und Du“ fördert und nutzt das hohe Engagement von jungen Menschen und ihren Familien. An einigen Standorten wie Dresden, Erfurt, Emden und Hürth organisieren und/oder fördern die Jugendämter „Balu und Du“. Sie betrachten „Balu und Du“ als Baustein ihrer Präventionsarbeit und der Frühen Hilfen. Auch Wohlfahrtsverbände engagieren sich als Netzwerkpartner.

Beratungen für eine Neugründung in Niedersachsen und darüber hinaus gibt Dr. Dominik Esch.
Unter  http://www.balu-und-du.de/kontakt/standorte/ finden Sie Kontakte zu bereits aktiven Standorten, die auch Auskunft erteilen können.

Rahmenbedingungen

Der zeitliche Umfang umfasst ein wöchentliches Mentoring mit einem Kind, einmal die Woche für einige Stunden für mindestens ein Jahr und eine wöchentliche / mindestens vierzehntägige professionelle Begleitung in Lehrveranstaltungen oder Begleitseminaren und die zusätzliche Online-Beratung in einem Tagebuch-Tool für mindestens ein Jahr. Das Mentoring findet an alltäglichen Orten statt, wie z.B. auf Spielplätzen, in Museen, in Schwimmbädern, im Lebensumfeld der Moglis oder der Balus .
Die Begleitseminare finden in den Bildungseinrichtungen oder Verbänden statt, die „Balu und Du“ vor Ort durchführen.

Personalbedarf besteht für die Koordinator*innen von „Balu und Du“. Bei Wohlfahrtsverbänden empfehlen wir eine Viertelstelle für die Organisation und Begleitung von ca. 15 Gespannen.
Bei Bildungseinrichtungen werden die Deputatsstunden der Lehrkräfte verwandt.

Rahmenbedingungen Corona Balu und du 3 2020 (PDF, 384 KB)

Schulungsangebote für Multiplikator*innen in Schulen

Der Balu und Du e.V. bietet den Koordinator*innen in dem bundesweiten Netzwerk (darunter Lehrkräfte an Schulen) Workshops zur Durchführung des Begleitseminars für Mentor*innen sowie Seminare zum Thema Coachende Haltung und coachende Gesprächsführung an.

Inhalt der Informationen für Bildungseinrichtungen:

Der Schulungsbedarf ist gering, denn wir nutzen die bereits vorhandenen Qualifikationen und Kompetenzen der Lehrkräfte und Pädagog*innen. Wir bieten Hospitationen am Gründungsstandort Universität Osnabrück an. Ferner besuchen und beraten wir interessierte Institutionen vor Ort durch unsere Qualitätsberater*innen. Inhalte der Hospitation und der Beratungsgespräche:

  • Gewinnung und Information von ehrenamtlichen Mentor*innen im Alter zwischen 17 bis 30 Jahren,
  • Akquise und Information von Kooperationspartnern sowie Auswahl von Mentees/Grundschülern,
  • Konzeption und Durchführung von Einführungs- und Begleitseminaren für Mentor*innen,
  • Beratung der Mentor*innen über das Online-Tagebuchportal,
  • Organisation von Gemeinschaftsveranstaltungen für die Tandems,
  • Kooperation mit Hochschulen, Berufsschulen, Grundschulen und öffentlichen Einrichtungen,
  • Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising.

Im Intranet stellt „Balu und Du“ zahlreiche Kopiervorlagen und Memos mit projektspezifischen Anleitungen und anderen pädagogischen Themen zur Verfügung.
Minimalqualifikationen der Schulungsteilnehmer*innen sind Lehramt Sek II oder ein abgeschlossenes Hochschul-/Fachhochschulstudium in Sozialpädagogik, Sozialer Arbeit, Psychologie oder vergleichbarer Ausrichtung, Erfahrungen in der Seminararbeit und/oder systemische Beratungsarbeit, Erfahrungen in der Arbeit mit Kinder im Grundschulalter (wünschenswert), gute Kenntnisse der Office Anwendungen und selbstständiges Arbeiten.

Die Koordinator*innen an den Standorten bundesweit werden durch ein jährlich neu aufgelegtes Seminarangebot in ihrer Funktion als Koordinator*in und in der Programmumsetzung vor Ort unterstützt (z.B. Workshops zur Gestaltung des Begleitseminars, Methoden und Techniken der professionellen Gesprächsführung).

Evaluation

„Balu und Du“ wirkt breit. Bezogen auf die Grundschulkinder stellen wir fest: Hinsichtlich der Merkmale Selbstorganisationsfähigkeit, Lernfreude, Entscheidungsfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit, gesundheitliche Selbst- und Fremdeinschätzung und Frustrationstoleranz, die wichtige Voraussetzungen für eine resiliente Entwicklung sind, konnten deutliche Nettoeffekte bei den Moglis durch die Teilnahme am Programm „Balu und Du“ festgestellt werden.
http://www.balu-und-du.de/wirkung/publikationen/
Danach ist schon bei einjähriger Teilnahme an dem Mentorenprogramm  „Balu und Du“ resilientes Verhalten der Moglis ersichtlich und eine Verbesserung der Chancengleich bedingter divergierender sozialökonomischer Herkünfte nachgewiesen.
Zum Wirkungsbericht 2020 Balu und Du – Wirkungsbericht 2020 (balu-und-du.de)

Erfahrungsberichte, Verbreitung

Bundesweit ist das Mentoringprogramm an über 120 Standorten angesiedelt. Nähere Informationen unter http://www.balu-und-du.de/kontakt/standorte/

Im Jahr 2016 wurde der Malteser Hilfedienst e.V. in der Erzdiözese Hamburg in Rostock für die Umsetzung von „Balu und Du“ mit dem  Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern unter dem Motto „Gesundheit lernen-Gesund leben“ ausgezeichnet. https://nordost.aok.de/inhalt/gesundheitspreis/

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Die Netzwerkpartner bringen ihre Personalkosten in Höhe der Lehrerdeputatsstunden oder der Stellenanteile in den Wohlfahrtsverbänden ein.
An den Bildungseinrichtungen sind das erfahrungsgemäß 2 Lehrerwochenstunden für das curriculare Angebot zzgl. der Vor- und Nachbereitungsstunden.
Wohlfahrtsverbänden empfehlen wir, pro Standort eine Viertelstelle vorzuhalten.

In Niedersachsen steht Dominik Esch für Neugründungen als Berater zur Verfügung. E-Mail: dominik.esch@balu-und-du.de, Tel.: +49 221 2010-326.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen

Das Angebot „Balu und Du“ unterstützt grundsätzlich Ergebnisse und Wirkungen (QB1) der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ist damit förderlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages nach dem Niedersächsischen Schulgesetz. Es kann dazu beitragen, Schulqualität zu verbessern, insbesondere in den Qualitätsbereichen 3 bis 6.

QB 3: Leitung und Organisation
QM 3.3: Schulorganisation (Angebote der individuellen Beratung und Unterstützung)
QB 4: Ziele und Strategien der Schulentwicklung
QM 4.1: Schulprogramm (Leitbild)
QM 4.3: Berufliche Kompetenzen ( Fort- und Weiterbildung)
QB 5: Bildungsangebote und Anforderungen
QM 5.2: Schuleigenes Curriculum (Unterrichtsergänzende Angebote)
QB 6 : Kooperation und Beteiligung
QM 6.3: Beteiligung (Gestaltungs- und Verantwortungsbereich)

Erläuterungen:

  • Das Angebot ist eine Maßnahme zur individuellen Unterstützung.
  • Bei Berücksichtigung im Leitbild kann es eine zu dokumentierende Maßnahme des Schulprogramms darstellen.
  • Die Förderung prosozialen Schülerverhaltens stellt eine Maßnahme im Sinne gesundheitsfördernder Arbeitsbedingungen dar.
  • Lehrerfortbildungen werden angeboten.
  • Es besteht die Möglichkeit, es als Bildungsangebot in das schuleigene Curriculum zu integrieren und das Service-Learning-Projekt als gesundheitsfördernde Entwicklungschance zu nutzen.
  • Externe Institutionen unterstützten die Gestaltung eines gesundheitsfördernden Erfahrungs- und Lernraums durch die Beteiligten.

Literatur / Quellen / Praxismaterialien