rückenstark

Ein multimodales Programm zur Bewegungs-, Entspannungs- und Haltungsförderung in der Grundschule

Verantwortliche / Anbieter

Praxis rückenstark- Gesundheitsförderung, Prävention und Physiotherapie
Andrea Näther-Kujawa & Juliane Krüger
Fössestr. 2
30451 Hannover
Tel.: (0511) 534 23 74
E-Mail: info@rueckenstark-hannover.de
www.rueckenstark-hannover.de

Zielsetzung

Ziel dieses multimodalen Ansatzes ist das Erlernen und Festigen gesundheitsfördernder Verhaltensweisen im alltäglichen Kontext um die Prävalenz von Rückenbeschwerden im Setting Schule zu senken und die Eltern und Lehrer*innen als Bezugspersonen für das Thema Rückengesundheit zu sensibilisieren und zu schulen.

Zielgruppe

Das Programm richtet sich an Schüler*innen der 2. und/oder 3. Klasse einer Grundschule, an Lehrkräfte und Eltern. Sinnvoll ist es dabei alle Klassen eines Jahrganges an dem Projekt teilnehmen zu lassen.

Inhalte und Methodik

Als Konzepthintergrund dient zum einen das Gesundheitsmodell der Salutogenese von Antonovsky, welches die frühe Ausbildung und Förderung von Ressourcen und des Kohärenzgefühls im Kindes- und Jugendalter thematisiert, damit Stressoren (z.B. Entwicklungsaufgaben) adäquat bewältigt werden können. Zum anderen ist das Konzept an das KddR-spezifische Gesundheitsförderungskonzept „RückenGesundheit Kinder – Bewegungs- und Haltungsförderung“ angelehnt. KddR ist die Abkürzung der Konföderation der deutschen Rückenschulen.  Hier spielen Themen wie beispielsweise die altersgemäße Förderung der motorischen Grundeigenschaften, die differenzierte Körperwahrnehmung und Körpererfahrung und die Nutzung der Entspannung als psychosoziale Ressource eine große Rolle. Zudem wird der Stellenwert der Haltung in der kindlichen Bewegungswelt behandelt. Da Eltern und Lehrer*innen eine große Vorbildfunktion für die Schüler*innen haben, ist es wichtig auch diese mit in die Thematik einzubeziehen und zu einer gesundheitsförderlichen Lebenseinstellung zu schulen.

Rahmenbedingungen

Die Interventionsplanung sieht für die Schüler*innen 3 x 2  Unterrichtsstunden zu den Modulen Körperwahrnehmung, Bewegung, Entspannung und Haltung und Ergonomie vor sowie 2 x 2 Unterrichtsstunden für die Durchführung der Evaluation (insgesamt 10 Unterrichtsstunden). Es ist geplant, die Kurseinheiten in den vorhandenen Stundenplan zu integrieren, damit nicht zusätzliche Stunden eingeplant werden müssen. Die Kursstunden finden in der Sporthalle und draußen auf dem Pausenhof statt, da das Projekt so losgelöst vom Unterricht im Klassenraum ist und es viel Platz zum Toben, Ausprobieren und Spielen gibt. Es können die Materialien der Sporthalle und des Pausenhofes genutzt werden und durch mitgebrachte Dinge wie Anschauungsmaterial zur Wirbelsäule, Pezzibälle, Sitzkissen, Handouts etc. ergänzt werden. Für die Eltern und Lehrer*innen sieht das Modul Gesundheitsbildung für Schulangehörige einen Elternabend (ca. 2 Std.) und einen Gesundheitstag der Lehrer*innen (6 Std.), jeweils einen Gesundheitszirkel (3×2 Std.) für die Eltern und Lehrer*innen sowie einen interaktiven Workshop für Eltern und Lehrer*innen (6 Std.) vor (insgesamt 26 Unterrichtsstunden). Die Interventionen der Lehrer*innen und Eltern sind in den Abendstunden geplant. Pro Stunde wird ein Honorar für zwei Referentinnen in Höhe von 120,00 Euro veranschlagt. Vorbereitungsgespräche, Evaluation mit den Schüler*innen, Mitarbeit in Projektgruppen, die Dokumentation und Auswertung des Projektes wird einem Stundensatz in Höhe von 60,00 Euro beziffert.

Schulungsangebot für Multiplikator*innen in Schulen

Bei Bedarf ist es möglich, das vorliegende Konzept auch durch andere Multiplikator*innen durchführen zu lassen. Geeignete Personen wären hierfür  Physiotherapeut*innen, Gesundheitswissenschaftler*innen oder Therapeut*innen, die über Kenntnisse und entsprechende Qualifikationen im pädiatrischen, pädagogischen, psychologischen und/oder gesundheitswissenschaftlichen Bereich verfügen.

Evaluation

Die Wirksamkeit des Programms wird mit definierten Zielindikatoren gemessen. Dazu werden sowohl qualitative (Feedbacks, Beobachtungen, Interviews), als auch quantitative Messverfahren (Kinderturn-Test, Fragebogen zum Gesundheits- und Bewegungsverhalten für Schüler und Eltern) verwendet. Der Kinderturn-Test beispielsweise ist ein sportmotorischer Test zur Erfassung der individuellen sportmotorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen zwischen drei und zehn Jahren. Hierzu werden an sechs Stationen die einzelnen motorischen Grundeigenschaften Beweglichkeit, Schnelligkeit, Kraft, Koordination und Ausdauer getestet. Eine wissenschaftliche Begleitung des Projektes ist bisher noch nicht erfolgt. Durch die enge Anlehnung an die Vorgaben der Rückenschulkonzeption der Konföderation der deutschen Rückenschulen (KddR) sind besonders Effekte in der Beweglichkeit, Kraft und Koordination der Schüler*innen sowie ein verändertes Gesundheits- und Bewegungsverhalten der Lehrkräfte und Eltern zu erwarten.

Erfahrungsberichte, Verbreitung

Das Programm ist ein neukonzipiertes Konzept, welches vor allem Grundschulen in Hannover und Niedersachen anspricht, aber grundsätzlich auch bundesweit durchgeführt und verbreitet werden kann.

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Die Gesamtkosten bei der Durchführung des Projektes an beispielsweise zwei 3. Klassen einer Grundschule belaufen sich auf bis zu ca. 6000,- Euro.  Pro Stunde wird ein Honorar für zwei Referentinnen in Höhe von 120,-€ veranschlagt. Vorbereitungsgespräche, Evaluation mit den Schüler*innen, Mitarbeit in Projektgruppen, die Dokumentation und Auswertung des Projektes werden mit einem Stundensatz in Höhe von 60,-€ beziffert. Die Anbieter*innen können behilflich sein, einen entsprechenden Förderantrag bei gesetzlichen Krankenkassen auszufüllen.  Damit eine Netzwerkinitiative im Sinne von Gesundheitsförderungsprojekten und zu Gunsten einer Nachhaltigkeit im Stadtteil der Schule erzielt wird, ist es zum anderen sinnvoll das Projekt von kommunalen Sponsoren teilfinanzieren zu lassen. Das Projekt bietet Firmen oder ortansässigen Institutionen wie z.B. Vereinen die Möglichkeit einer Plattform zur Unterstützung der Kindergesundheit und Gemeinschaftsförderung in ihrer Kommune. Außerdem ist ein Eigenbeitrag der Schulgemeinschaft z.B. über Fortbildungsentgelte gefordert. So ist eine stärkere Identifikation mit dem Projekt gegeben.

Bezüge zum Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen

Das Angebot „rückenstark“ unterstützt grundsätzlich Ergebnisse und Wirkungen (QB 1)  der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ist damit förderlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages nach dem Niedersächsischen Schulgesetz. Es kann dazu beitragen, Schulqualität zu verbessern, insbesondere in den Qualitätsbereichen 3 – 6.

QB 3: Leitung und Organisation
QM 3.3: Schulorganisation (Verwendung der Ressourcen)
QB 4: Ziele und Strategien der Schulentwicklung
QM 4.1: Schulprogramm (Leitbild)
QM 4.3: Berufliche Kompetenzen (Gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen)
QB 5: Bildungsangebote und Anforderungen
QM 5.2: Schuleigenes Curriculum (Unterrichtsergänzende Angebote)
QB 6: Kooperation und Beteiligung
QM 6.3: Beteiligung (Mitwirkung an Gestaltungsbereiche)

Erläuterungen:

  • Finanzielle Ressourcen werden qualitätssichernd für die Gesundheit der Lehrkräfte und Schüler*innen verwendet.
  • Bei Berücksichtigung im Leitbild kann es eine zu dokumentierende Maßnahme des Schulprogramms darstellen.
  • Lehrerfortbildungen werden angeboten.
  • Das Angebot ist unterrichtsergänzend und bewirkt den Erwerb gesundheitlicher Kompetenzen.
  •  Mit dem Angebot „rückenstark“ wird die Gestaltung der Schule zu einem gesundheitsfördernden Erfahrungs- und Lernraum mit  vielfältigen  und in das gesellschaftliche Umfeld eingebundenes Schulleben unterstützt..

Literatur / Quellen / Praxismaterialien

  • Antonovsky, A. (1997). Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen: DVGT Verlag,
  • Deutsche Turnerjugend im Deutschen Turner-Bund e.V. & BARMER (2017). Leitfaden-Kinderturn-Test. Die Zukunftschance für eine nachhaltige Bewegungsförderung in Deutschland: Kampagne Kinderturnen. Frankfurt am Main,
  • Dullien, S., Jansen, P., Gaßner, H., Lehmann, J., Schatz, S., Hower, K. & Grifka, J. (2017). Rückenfit – unsere Schule macht mit- Studienprotokoll einer clusterrandomisierten, kontrollierten Rückenschmerz-Präventionsstudie bei 10- bis 12 Jährigen. Prävention und Gesundheitsförderung, 1–8,
  • Eschenbeck, H., Lohaus, A.& Kohlmann, C.-W. (2007). Instrumente zur Erfassung von Stress und Coping im Kindesalter. In I. Seiffge-Krenke& A. Lohaus (Hrsg.), Stress und Stressbewältigung im Kindes- und Jugendalter (S. 31-44). Göttingen: Hogrefe,
  • Faltermaier, T. (2005). Gesundheitspsychologie. Stuttgart: Kohlhammer,
  • Faltermaier, T. (2010). Gesundheitsbildung im Setting Schule: Salutogenetische Strategien. In P. Paulus (Hrsg.), Bildungsförderung durch Gesundheit: Bestandsaufnahme und Perspektiven für eine gute gesunde Schule (S. 249-271). Weinheim: Juventa,
  • Gerstenberger, A. (2017). Inklusion und Gesundheitsförderung im schulischen Setting. In B. Schörkhuber, M. Rabl & H. Svehla (Hrsg.), Vielfalt als Chance: Vom Kern der Sache (S. 79-82). Münster: Lit-Verlag,
  •  GKV-Spitzenverband. Leitfaden Prävention (2014). Berlin: GKV-Spitzenverband,
  •  Helbig-Lang, S. & Petermann, F. (2009). Ressourcenorientierung und Salutotherapie in der Kindheit und Jugend. In M. Linden & W. Weig (Hrsg.), Salutotherapie in Prävention und Rehabilitation (S. 31-43). Köln: Deutscher Ärzte Verlag,
  • KddR (2014). Curriculum zur Fortbildung und zum Erwerb des Gütesiegels: KddR Rückengesundheit Kinder- Bewegungs- und Haltungsförderung. Hannover,
  • Kempf, H.-D., Klar, B., Stockschläder, U. & Ruckenbrod, R. (2010). Rückengesundheit in der Grundschule. Erfahrungen und Konsequenzen eines Modellkurses „Gesunder Schülerrücken“. Die Säule, 20 (2), 10-15,
  • Kolip, P. (2006). Evaluation, Evidenzbasierung und Qualitätsentwicklung. Zentrale Herausforderungen für Prävention und Gesundheitsförderung. Prävention und Gesundheitsförderung. 1: 234-239,
  • Lohaus, A., Domsch, H. & Klein-Heßling, J. (2016). Gesundheitsförderung im Unterricht. Lehrer-Schüler-Interaktion, 24, 483-501,
  • Paulus, P., Hundeloh, H. & Dadaczynski, K. (2016). Gesundheitsförderung und Prävention im Setting Schule- Chancen durch das neue Präventionsgesetz. Prävention und Gesundheitsförderung, 11 (4), 237–242,
  • RKI (2013). Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – 2013. http://www.kiggs-studie.de/fileadmin/KiGGS-Dokumente/kiggs_tn_broschuere_web.pdf ,
  • Roth-Isigkeit, A., Schwarzenberger, J., Baumeier, W., Meier, T., Lindig, M. & Schmucker, P. (2005). Risikofaktoren für Rückenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen in Industrienationen. Der Schmerz, 19 (6), 535–543.