KlasseKinderSpiel *

Spielerisch Verhaltensregeln lernen in der Grundschule

*Dieses Programm entspricht den Qualitätskriterien der „Grüne Liste Prävention“.

Verantwortliche / Anbieter

Prof. Dr. Clemens Hillenbrand
Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
26111 Oldenburg
E-Mail: c.hillenbrand@uni-oldenburg.de

Zielsetzung

Leitziel ist die Reduzierung von Unterrichtsstörungen und damit die Verbesserung des Klassen- und Unterrichtsklimas.
Teilziele sind:

  • Reduzierung von Unterrichts- und Aufmerksamkeitsstörungen,
  • Verringerung aggressiven Verhaltens,
  • Erhöhung erwünschten Schülerverhaltens,
  • Verbesserung des Lern- und Arbeitsverhaltens und dadurch einen Gewinn an Lernzeit,
  • Verbesserung des Klassenklimas und Stärkung des sozialen Gruppengefüges,
  • langfristige Verringerung psychosomatischer und dissozialer Störungen.

Zielgruppe

Das „KlasseKinderSpiel“ ist eine universelle Präventionsmaßnahme und soll damit grundsätzlich alle Schüler*innen einer Klasse erreichen. Im Fokus stehen dabei die Schüler*innen mit einem eher auffälligen und unterrichtsstörenden Verhalten.
Das „KlasseKinderSpiel“ kann in der Primarstufe eingesetzt werden. Es gibt auch Berichte über den Einsatz in der Vorschule. Ab Klasse 5 eignet sich das modifizierte KlasseTeamSpiel.

Inhalte und Methodik

Das „KlasseKinderSpiel“ ist als Gruppenkontingenzverfahren konzipiert. In der klassischen Version werden die Regeln, an die sich die Kinder während der Spielphase halten müssen und auch konkrete Regelverstöße gemeinsam besprochen und in der Klasse sichtbar angebracht. Dann wird die Klasse durch die Lehrkraft in zwei oder besser drei möglichst „homogene“ Teams aufgeteilt, die sich selbst einen Namen geben können. Die Teamzusammenstellung kann im Laufe der Zeit variieren. In der Phase des Spiels werden die Fouls eines Teammitglieds von der Lehrkraft sichtbar z.B. an der Tafel notiert. Die Gruppe, die nach Ende des Spiels unter der Anzahl festgelegter Fouls (meistens 5) bleibt, erhält eine Belohnung. Es kann eine Stunden- Tages- und/oder Wochenbelohnung geben. Die Art der Belohnung ist der Lehrkraft überlassen.

Rahmenbedingungen

Zu Beginn wird das Spiel ca. einmal am Tag 10 bis 15 Minuten gespielt und dabei stets angekündigt. Start und Ende kann mit einem akustischen Signal versehen werden. Entsteht Vertrauen im Umgang mit dem Spiel kann a) die Spielhäufigkeit erhöht und b) irgendwann, ca. nach drei Monaten, verdeckt gespielt werden – das heißt, die Kinder wissen erst einmal nicht, ob gerade das „KlasseKinderSpiel“ läuft oder nicht. Sie erkennen es nur an den notierten Fouls an der Tafel.
Das „KlasseKinderSpiel“ kann alleinig von der Lehrkraft durchgeführt werden. Diese sollte möglichst an einer Schulung oder Fortbildung teilgenommen haben. Der Materialaufwand ist gering (Eieruhr, Plakat, Tafel, Belohnungen, Kennzeichen der Gruppen mit z.B. Tischfähnchen).

Schulungsangebote für Multiplikator*innen in Schulen

Schulungen und Fortbildungen können durch die Mitarbeiter*innen der Heilpädagogischen Akademie erfolgen (www.heilpaedagogische-akademie.de).  Eine Schulung der Lehrkräfte vor Durchführung des „KlasseKinderSpiels“ wird empfohlen.

Evaluation

Das „KlasseKinderSpiel“ wurde international bisher häufig umfassend analysiert. In der jüngsten Metaanalyse von Bowman-Perrott und Kollegen aus dem Jahr 2015 erzielt es über 21 zusammengetragenen Studien eine sehr hohe Effektstärke von d = 1,99. Besonders wirksam ist das „KlasseKinderSpiel“ bei aggressiven Jungen (Petras et al., 2008; Poduska et al., 2008). Es zeigt auch langfristig bis ins Erwachsenenalter eine hohe Wirksamkeit, indem z.B. seltener Drogenprobleme vorliegen und weniger Gewaltdelikte zu verzeichnen sind (Kellam et al., 2014).
Das „KlasseKinderSpiel“ kann individuell variiert und an die Klasse angepasst werden. Entscheidend für die Wirksamkeit ist
a) die durchdachte Einteilung der Gruppen,
b) die Transparenz der Regeln und der Fouls,
c) die konsequente Durchführung und d) angemessene Belohnungen.

Erfahrungsberichte, Verbreitung

Das „KlasseKinderSpiel“ wurde bisher in vielen verschiedenen Ländern der Welt (u.a. USA, Deutschland, Spanien, Belize oder die Niederlande) durchgeführt und evaluiert. In den USA und Kanada läuft seit 1980 die bisher umfassendste Längsschnittstudie, das Baltimore Prevention Project, mit ca. 900 Schüler*innen  bzw. jetzt jungen Erwachsenen. Umfassende Ergebnisse gibt es unter:
www.jhsph.edu/research/centers-and-institutes/johns-hopkins-center-for-prevention-and-early-intervention/
In Deutschland haben wir das „KlasseKinderSpiel“ in Köln und das KlasseTeamSpiel in Köln und Oldenburg evaluiert. Die Publikation der Ergebnisse ist teilweise bereits erfolgt bzw. in Vorbereitung.

Kosten, Unterstützungs- und Finanzierungshinweise

Siehe unter www.heilpaedagogische-akademie.de/kostenstruktur.html

Bezüge zum Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen

Das Angebot „KlasseKinderSpiel“ unterstützt grundsätzlich Ergebnisse und Wirkungen (QB 1) der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ist damit förderlich für die Erfüllung des Bildungsauftrages nach dem Niedersächsischen Schulgesetz. Es kann dazu beitragen, Schulqualität zu verbessern, insbesondere in den Qualitätsbereichen 2 bis 5.

QB 2: Lehren und Lernen
QM 2.2: Unterrichtsführung (Störungsprävention, Lernklima)
QB 4: Ziele und Strategien der Schulentwicklung
QM 4.1: Schulprogramm (Leitbild)
QM 4.3: Berufliche Kompetenzen ( Fort- und Weiterbildung)
QB 5: Bildungsangebote und Anforderungen
QM 5.2: Schuleigenes Curriculum (Unterrichtsergänzende Angebote)
QB 6 : Kooperation und Beteiligung
QM 6.3: Beteiligung (Gestaltungs- und Verantwortungsbereich)

Erläuterungen:

  • Ziel des Angebotes ist die Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen. Verbesserte soziale Kompetenzen schaffen ein positives Lernklima und beugen Störungen vor (Erhöhung der Konzentrationsfähigkeit).
  • Bei Berücksichtigung im Leitbild kann es eine zu dokumentierende Maßnahme des Schulprogramms darstellen.
  • Lehrerfortbildungen sind vorgesehen. Das Programm fördert prosoziales Verhalten der SchülerInnen und entlastet damit die Lehrkräfte. (Lehrergesundheit)
  • Es besteht die Möglichkeit, es als -Bildungsangebot- in das schuleigene Curriculum zu integrieren und das Themenfeld Gewaltprävention als gesundheitsfördernde Entwicklungschance zu nutzen.
  • Der friedliche Umgang miteinander ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischen Handelns (Schule als Lebensraum).

Literatur / Quellen / Praxismaterialien

  • Bowman-Perrott, L., Burke, M., Zaini, S., Zhang, N & Vannest, K. (2015). Promoting Positive Behaviour Using the Good-Behavior Game: A Meta-Analysis of Single-Case Research. Journal of Behavior Interventions, S. 1-11.
  • Hillenbrand, C. & Pütz, K. (2008). KlasseKinderSpiel. Spielerisch Verhaltensregeln lernen. Hamburg: Körber.
  • Kellam, S., Wang, W., Mackenzie, Am., Brown, C., Ompad, D., Or, F., Ialongo, N., Poduska, J. & Windham, A. (2014). The Impact of the Good Behavior Game, a Universal Classroom-Based Prevention Intervention in First and Second Grades, on High Risk Sexual Behaviors and Drug Abuse and Dependence Disorders into Young Adulthood. Prevention Science, 15 (1), S. 6-18.
  • Petras, H., Kellam, S., Brown, H., Muthén, B., Ialongo, N. & Poduska, J. (2008). Developmental epidemiological course of leading antisocial personality disorder and violent criminal behavior: Effects by young adulthood of a universal preventive intervention in first- and second- grade classrooms. Drug and Alcohol Dependence, 95S, S. 45-59.
  • Poduska,J., Kellam, S., Wang, W., Brown, H., Ialongo, N. & Tayinbo, P. (2008). Intervention of the Good Behavior Game, a universal classroom-based behavior intervention, on young adult service for use for problems with emotions, behavior, or drugs and alcohol. Drug and Alcohol Dependence, 95S, S. 29-44.