Archiv der Kategorie: Glossar

Evaluation von Gesundheitsförderung

„Im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung bezieht sich Evaluation meist auf Interventionen, die gesundheitsbezogene Effekte bewirken sollen. Das fortlaufende Generieren und Dokumentieren von Informationen durch Evaluation ermöglicht den Durchführenden der jeweiligen Intervention deren Steuerung und das Erfassen der Wirkungen der Intervention. Damit ist Evaluation ein substanzieller Bestandteil jeder gesundheitsbezogenen Intervention und sollte von Beginn an eingeplant werden. In Abhängigkeit der verfügbaren Ressourcen, des Planungsstands und der jeweiligen Interessen kann intern oder extern sowie selbst- oder fremdevaluiert werden“ (Haack, & Haß, 2020).

Um die Güte von Evaluationen zu sichern, hat das „Joint Committee on Standards for Educational Evaluation“ 30 Standards festgelegt, die nach den Bewertungsdimensionen Nützlichkeit, Durchführbarkeit, Fairness und Genauigkeit untergliedert sind. Die Deutsche Gesellschaft für Evaluation hat diese Standards für den deutschsprachigen Raum angepasst (vgl. Sanders, 2013).

Evidenzbasierung in der Prävention und Gesundheitsförderung

„Im Feld Prävention und Gesundheitsförderung wurde und wird das Thema Evidenzbasierung kontrovers diskutiert. […] Evidenzbasierung in Prävention und Gesundheitsförderung kann aus zwei Perspektiven beleuchtet und anwendbar gemacht werden: Aus einer übergeordneten Perspektive geht es zunächst um Kriterien für Prozesse, die zu Entscheidungen und Empfehlungen bzw. zu Strategien für ein definiertes Gesundheitsproblem führen, z. B. auf nationaler Ebene. Folgende Fragestellungen stehen exemplarisch für diese Perspektive:

  • „Wie können Entscheidungen zur Umsetzung von übergeordneten Strategien (z. B. Aktionsplan) evidenzbasiert getroffen werden?“
  • „Welche Prozesse und Kriterien beeinflussen maßgeblich übergeordnete, z. B. nationale Leitlinien zu Prävention und Gesundheitsförderung?“

Aus der untergeordneten Perspektive wird die Umsetzung von Prävention und Gesundheitsförderung betrachtet, die primär durch Praxisakteur*innen auf der regionalen oder lokalen Ebene erfolgt, z. B. in Lebenswelten. Daher ist für das Verständnis von Evidenzbasierung auch die auf einzelne Maßnahmen bezogene Perspektive wichtig. Folgende Fragestellungen stehen exemplarisch für diese Perspektive:

  • „Ist eine Maßnahme, die eine Praxisakteurin oder ein Praxisakteur aus ihren bzw. seinen Netzwerken kennt, wirklich evidenzbasiert?“
  • „Auf Basis welcher Kriterien können einzelne Maßnahmen in Datenbanken zur Empfehlung der Umsetzung durch Praxisakteurinnen und -akteure aufgenommen und transparent in Bezug auf ihre wissenschaftliche Absicherung dargestellt und zur Umsetzung in der Praxis empfohlen werden?“

Bei der Anwendung und Definition des Begriffes und der Kriterien für Evidenzbasierung in Prävention und Gesundheitsförderung wird daher […] zwischen den folgenden beiden Perspektiven unterschieden:

  • Evidenzbasierung von Entscheidungen zur Umsetzung übergeordneter Strategien und Leitlinien
  • Evidenzbasierung einzelner Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung in Lebenswelten“ (de Bock et al., 2021).

Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte

Die sicherheitstechnische und betriebsärztliche Betreuung obliegt den Fachkräften für Arbeitssicherheit und den Betriebsärzt*innen. Sie haben in erster Linie die Aufgabe, den Arbeitgeber, und vor allem die Schulleiter*innen, beim Arbeits- und Gesundheitsschutz und bei der Unfallverhütung in allen Fragen der Arbeitssicherheit, einschließlich der Gestaltung der Arbeit zu unterstützen und zu beraten (Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung MV, 2023).

Dies bezieht sich unter anderem auf:

  • die sozialen und sanitären Einrichtungen,
  • die Arbeitszeit, Arbeitsrhythmus, Pausen,
  • die Gestaltung der Arbeitsplätze sowie der Arbeitsabläufe und –umgebung,
  • die Beurteilung psychischer Belastungen,
  • die Eingliederung von Menschen mit Behinderungen,
  • die Beurteilung der Arbeitsbedingungen ebenso wie
    die Untersuchung und arbeitsmedizinische Beurteilung von Arbeitnehmer*innen.

Die Fachkräfte für Arbeitssicherheit beurteilen diese Fragen wiederum aus arbeitssicherheitstechnischer Sicht (Arbeitssicherheitsgesetz i. V. m. DGUV Vorschrift 2) (ebd.).

Fundraising

Fundraising stellt einen Begriff aus dem Bereich des Nonprofit-Managements dar und meint „die systematische Analyse, Planung, Durchführung und Kontrolle sämtlicher Aktivitäten einer gemeinwohlorientierten Organisation, welche darauf abzielen, alle benötigten Ressourcen (Geld-, Sach- und Dienstleistungen) durch eine konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Ressourcenbereitsteller (Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, öffentliche Institutionen) zu möglichst geringen Kosten zu beschaffen“ (vgl. Urselmann, 2020).

Game-Based Learning (GBL)

Game-Based Learning (GBL) umfasst immersive und aktive Lernerfahrungen in einer spielähnlichen Umgebung, die darauf abzielen, definierte Bildungsziele zu erreichen. Der Grundgedanke besteht darin, Spiele – oft als „Serious Games“ oder „Educational Games“ bezeichnet – zu entwickeln oder vorhandene Spiele zu nutzen, die Lernende in interaktive Szenarien versetzen und durch spieltypische Mechanismen das Verständnis sowie den Kompetenzerwerb fördern.

Als Good-Practice-Beispiel aus dem Themengebiet der Gesundheitskompetenz kann an dieser Stelle auf das Projekt „Nebolus“ (https://nebolus.net/) verwiesen werden: Nebolus ist ein Location-based Game, in dem junge Menschen mit Hilfe von spannenden und lehrreichen digitalen Schatzsuchen & Stadtrallyes lokale Akteure und deren Gesundheitsangebote in der Kommune kennenlernen und mit diesen in Kontakt treten können. Mit Hilfe von Nebolus können gesundheitsbezogene Angebote in einer bestimmten Umgebung sichtbar gemacht werden, wobei Jugendliche und junge Erwachsene in Teams auf einer interaktiven Rallye ihr Wissen, ihre Orientierungsfähigkeit und deren Gesundheitskompetenz stärken können.

Quellen:

Gamification

Gamification bezeichnet die Integration von spieleähnlichen Elementen in spielfremde Umgebungen, mit dem Ziel, Aufgaben zugänglicher zu machen, Motivation zu steigern und Verhaltensänderungen zu bewirken. Das Phänomen ist kein neues, hat aber durch die Digitalisierung eine starke Verbreitung erfahren. Gamification wird als neutrales Werkzeug verstanden, das sowohl für positive als auch negative Zwecke eingesetzt werden kann.

Zentrale Elemente sind spieltypische Bausteine wie Punkte, Abzeichen (Badges), Ranglisten, Fortschrittsbalken, Belohnungen, Beschreibungen von Zielen und Regeln sowie Wettbewerbe. Im Unterschied zu vollständigen Spielen erfordert Gamification nicht die Entwicklung eines kompletten Spiels; es geht darum, gezielt einzelne Spielelemente strategisch einzusetzen, um Lern- oder Handlungsprozesse zu unterstützen (Gamification statt Game-based Learning).

Anwendungsfelder liegen in Büro- und Arbeitskontexten, Schulen, Online-Communities, Bewerbungsprozessen, Fitness, Shopping, betrieblichen Anwendungen und Lernumgebungen. Die Idee dahinter ist, monotonen oder komplexen Aufgaben eine spielerische Struktur zu geben, um Motivation, Engagement und Lernzuwachs zu fördern. Darüber hinaus hängt der Erfolg stark von der Haltung der Anwenderinnen und Anwender gegenüber Spielen sowie von einer professionellen, stimmigen Umsetzung ab.

Historisch gesehen prägten zunächst Leistungsvergütung, Boni, Ranglisten und gruppenbasierte Wettkämpfe die Praxis, etwa in Fabriken, Handel oder Schulen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung, der Verbreitung von Smartphones und Wearables (z. B. Smartwatches, Fitnessbänder, Datenbrillen) sowie der wachsenden Anerkennung von Computerspielen als Kulturgut hat sich das Konzept weiterentwickelt. Ebenso besteht eine Nähe zu älteren Phänomenen wie Game-based Learning, Edutainment und Serious Games.

Offene Fragen betreffen mögliche Gewöhnungseffekte: Es ist unklar, ob Gamification über längere Zeit die natürliche Motivation in traditionellen Bereichen reduziert oder ob sich neue Motivationsstrukturen nachhaltig verankern.

In Abgrenzung dazu: Game-Based Learning (GBL)

Quellen:

Ganztagsschule (GTS)

Ganztagsschulen sind gemäß der Definition der Kultusministerkonferenz (vgl. KMK, o. J.) Schulen, bei denen im Primar- und Sekundarbereich:

  • an mindestens drei Tagen pro Woche ein ganztägiges Angebot (mind. 7 Zeitstunden) für Schüler*innen bereitgestellt wird,
  • an allen Tagen des Ganztagsschulbetriebs ein Mittagessen angeboten wird,
  • die Ganztagsangebote unter der Aufsicht und Verantwortung der Schulleitung organisiert und durchgeführt werden sowie im konzeptionellen Zusammenhang mit dem Unterricht stehen.

Ganztagsschulen tragen der Heterogenität der Schülerschaft Rechnung, da Kinder und Jugendliche mit unterschiedlicher Voraussetzungen Zeit miteinander verbringen und gemeinsam lernen. Ganztagsschulen bieten somit gute Voraussetzungen für die Umsetzung integrativer und inklusiver Bildung. Dabei reicht die Unterstützung weiter, denn durch die Teilnahme an schulischen Ganztagsangeboten werden die Schüler*innen im Sinne ganzheitlicher Bildung nachhaltig in ihrer Entwicklung von kognitiven und sozialen Kompetenzen gefördert. Ganztagsschulen nutzen verstärkt außerschulische Lernorte und greifen auf vorhandene Ressourcen im Gemeinwesen zurück, öffnen sich dem sozialen, kulturellen und auch dem betrieblichen Umfeld und kooperieren aktiv mit außerschulischen Partnern in den Regionen.

Kooperative Ganztagsbildung dient der vertieften individuellen Förderung und der Persönlichkeitsentwicklung von Heranwachsenden, der Stärkung der Schule als Lern- und Lebensort und der Angebote außerschulischer Jugendbildung. Darüber hinaus dient sie der Entkopplung von Herkunft und Bildungserfolg im Sinne einer Bildungs- und Chancengerechtigkeit und unterstützt das familienpolitisch wichtige Ziel, die Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern (KMK, o. J.).

Gemeinschaftsaktionen für Gesundheit

Gemeinschaftsaktionen für Gesundheit bezeichnen konkrete Anstrengungen eines Kollektivs „bei der Prioritätensetzung für Gesundheit, der Entscheidungsfindung und der Planung und Umsetzung von Strategien, um Gesundheitsverbesserungen zu erreichen. Das Konzept der Befähigung von Gemeinschaften zu selbstbestimmtem Handeln (siehe ‚Empowerment/ Befähigung‘) steht in enger Beziehung zu dem in der Ottawa-Charta festgehaltenen Handlungsfeld der gesundheitsbezogenen Gemeinschaftsaktionen. Nach diesem Konzept ist eine zu selbstbestimmtem Handeln befähigte Gemeinschaft eine Gemeinschaft, in der Individuen und Organisationen ihre Kompetenzen und Ressourcen in gemeinschaftlicher Anstrengung einsetzen, um gesundheitsbezogene Prioritäten zu bearbeiten und ihre entsprechenden Bedürfnisse zu befriedigen. Durch eine derartige aktive Beteiligung (siehe ‚Partizipation‘) bieten Individuen und Organisationen innerhalb einer zu selbstbestimmtem Handeln befähigten Gemeinschaft soziale Unterstützung für Gesundheit, bearbeiten Konflikte in der Gemeinschaft und erhöhen ihren Einfluss und ihre Kontrolle über die Determinanten für Gesundheit in ihrer Gemeinschaft“ (WHO, 1998a, S. 9)

Gender Mainstreaming und Managing Diversity

„Der Begriff Gender Mainstreaming bezeichnet die Verpflichtung, bei allen Entscheidungen die unterschiedlichen Auswirkungen auf Männer und Frauen in den Blick zu nehmen und lässt sich am besten mit Leitbild der Geschlechtergerechtigkeit übersetzen. Das Leitbild der Geschlechtergerechtigkeit bedeutet, bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben die unterschiedlichen Auswirkungen auf die Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern grundsätzlich und systematisch zu berücksichtigen“ (BMFSFJ, 2021).

Im Jahr 2020 hat die Bundesregierung erstmals eine ressortübergreifende Gleichstellungsstrategie verabschiedet, die gleichstellungspolitische Ziele der gesamten Bundesregierung formuliert und Maßnahmen zu deren Umsetzung nennt. Sie sollte nach jedem Regierungswechsel fortgeschrieben werden. Um den aktuellen Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland zu ermitteln und neue Impulse für die Gleichstellungspolitik zu bekommen, beauftragt die Bundesregierung seit 2008 in jeder Legislaturperiode eine Sachverständigenkommission mit der Erstellung eines Gutachtens für den Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Um Geschlechtergerechtigkeit bei allen Maßnahmen der Bundesregierung berücksichtigen zu können, veröffentlicht und aktualisiert das Bundesgleichstellungsministerium Arbeitshilfen zu verschiedenen Aufgabengebieten der Bundesregierung – wie der Gesetzgebung (ebd.).

Management Diversity bezeichnet die Anerkennung und Nutzbarmachung von Vielfalt in Unternehmen. Das Ziel ist, erfolgsrelevante Aspekte der Vielfalt in Unternehmen zu identifizieren und den Nutzen von unterschiedlichen individuellen Kompetenzen, Eigenschaften, Haltungen und kulturellen Hintergründen zu erschließen. Aspekte der Vielfalt im Unternehmen bestehen u. a. in der Wertschätzung von Eigenschaften wie Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildung und Kompetenzen und Religionen. Sie führen zu unternehmerischen Handlungsfeldern wie der Entwicklung einer Unternehmenskultur, zu deren Werten die Anerkennung die Vielfalt gehört, die Sicherung der Chancengleichheit, der Nutzung von Potenzialen der Vielfalt wie Teambildung, Kreativität oder Wissen, der Förderung von Innovationen auf Basis dieses Potenzials und der Vermeidung von Konflikten durch frühzeitige Einbeziehung von Vielfalt in Managemententscheidungen. Management Diversity reicht von Aspekten des Gender-Managements wie der Förderung von Frauen zur Erlangung von Führungspositionen (Geschlechter-Diversität), der Bereitstellung von Betriebskindergärten für Mitarbeiter mit Familie, Programme zur Bindung älterer Mitarbeiter (Alters-Diversity), der Einrichtung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderungen, Konzepte zur Balance von Arbeit und Freizeit (Work-Life-Balance) bis in das internationale Kulturmanagement etwa mit dem Aufbau interkultureller Verhandlungskompetenz (vgl. Lies, 2018).